Bürger, Genossen, Bürgende

Bürgerliche Mehrheiten für Dummys

Seit den Wahlen steht sie nun im Raum, die „bürgerliche Mehrheit“. Gauland sieht sie, wenn er die Ergebnisse der CDU und der AfD zusammenrechnet, Manu, Parteiphilosophin der SPD, kann sie nicht erkennen, denn „die AfD ist nicht bürgerlich“. Außerdem gilt zu klären: Kann ein Genosse Bürger sein? Oder nur Ehrenbürger?

Wir wollen hier keinen historischen Ritt vornehmen, den CIVIS mit dem CITOYEN verwechseln, sondern nur kurz und knapp und auf der Höhe der Zeit darstellen, wer ein Bürger ist, und wer eher nicht. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen Bürger, Genosse und Bürgendem. Manu ist ganz klar eine Genossin. Und auch wenn sie ihre Verwandtschaft in dem Bundesland, das ihr das Schicksal gnädig in den Schoß spielte, aufs Allerfeinste versorgt, ist das noch lange nicht bürgerlich, sondern steht in bester Genossen-Tradition.

Kann ein Genosse kein Bürger sein? Jein. Nehmen wir etwa Siggi Gabriel, der ist sogar „Ehrenbürger“. Von Goslar. Und ein Spießer vor dem Herrn. Aber ein Linksspießer bleibt doch in erster Linie ein Genosse. Feind der Vernunft und der fleißigen Menschen. Ein Straßenräuber mit Berechtigungsschein.

Bei Robert Habeck ist die Antwort schwieriger. Er hat Gedichte (das ist kein Druckfehler!) studiert, ist Familienvater (rechtsverdächtige 4, in Worten vier, Kinder), ist gar Doktor der Philosophie – natürlich ist der Robert bürgerlich, ob er nun will oder nicht. Außerdem steht nirgendwo geschrieben, dass ein Bürger zwingend etwas von Physik, Chemie oder Klima verstehen muss. Er ist quasi ein Bürger mit Macke. Anders als Jürgen Trittin oder Renate Künast, die sind klare Genossen. Und Claudia Roth ist sowieso ganz was anderes.

Alexander Gauland hingegen ist gerne Bürger. Man könnte ihn sogar in der Definition vom alten Fritz erkennen, der postulierte „Die nützlichen Tugenden der Bürger sind Menschlichkeit, Billigkeit, Tapferkeit, Wachsamkeit und Arbeitsliebe“. Das ist natürlich unmodern, aber passt: Gauland wuchs im „großbürgerlich geprägten“ Chemnitz-Kaßberg auf, er ist Jurist, wurde vom RCDS-Burschen zum CDU-Mann, Staatssekretär in Hessen, Karriere bei der FAZ, verheiratet, geschieden, verheiratet, eine Tochter (evangelische Pfarrerin, aber das kann jedem passieren).

Nach den Gesetzen der Logik könnte also selbst ein Habeck mit einem Gauland koalieren, aber er darf nicht. Wir sind schließlich nicht in Italien. Bei uns haben die Genossen irgendwie immer noch eine Mehrheit.

Haben wir die Bürgenden vergessen? Nun, das ist der Staats-Bürger, wie ihn die Genossen sehen, der, der am Ende alles bezahlt, was Genossenhirne sich ausdenken. Er zahlt und bürgt, bis er fertig hat. Und Merkel? Rhetorische Frage, oder? Angela Dorothea ist die Ober-Genossin, und Bürgende ist sie auch nicht, wg. Ausreisemöglichkeit.

(Zum Foto. Das Eigenheim. Früher mal bürgerliche Sicherheit. Heute: Manövriermasse eines Bürgenden für die Genossen.)

Der Bürger Kubicki hat das Wort:

„Wir müssen offener und kommunikativer mit der AfD und ihren Wählerinnen und Wählern umgehen, nicht alles immer automatisch als rechtsradikal brandmarken, was einem nicht gefällt“, sagte der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki von der Lindnerpartei der Passauer Neuen Presse. „Die Menschen wollten bezahlbaren Wohnraum, öffentlichen Nachverkehr, eine Perspektive für sich und ihre Region. Viele Menschen fühlten sich ausgegrenzt, in eine rechte Ecke gestellt, in die sie nicht hineingehörten.“

Der Bürger Aust von der Welt hat die Lage der Merkel-Republik so zusammengefasst: „Endlose Baustellen, brüchige Brücken, verspätete Züge, langsames Internet, marode Schulen, vermurkste Energiewende.“ Leider n a c h den Wahlen.

 

Pädagogik in Merkelstan

Die Eltern von Schulkindern, die sich nach der Meldung, dass an einer Duisburger Hauptschule ein Schüler, 14, den Schulleiter krankenhausreif geschlagen hat, nun Sorgen machen, dass unsere Pädagogen die Lage nicht mehr im Griff haben, seien an dieser Stelle ausdrücklich beruhigt. Wir zitieren einen Schulsprecher:

„Die Schulpsychologie und das Krisenpräventionsteam sind an der Schule im Einsatz und beraten u.a. über Maßnahmen zur Gewaltprävention. Geplant ist beispielsweise ein Thementag zum Thema Gewalt u.a. zu den Bereichen Konfliktbewältigung und Sensibilisierung für verschiedene Formen von Gewalt.“

Ein Themenabend zum Thema Gewalt – gibt es bestimmt bald auch an Ihrer Schule.

3 comments

  1. Luisa 3 September, 2019 at 21:11 Antworten

    Zunächst einmal Gratulation zu dem Foto. Es steht für einen gut bürgerlichen Individualisten – einen Bürgenden. Ihr Bericht ist eine Augenweide. Auf den Punkt gebracht. Danke.
    Aus Cicero 2012 passst vielleicht noch dazu: “Das so genannte neue Bürgertum ist eine Sammlungsbewegung der Furchtsamen, der Übervorsichtigen und Mutlosen: Man ängstigt sich vor Kernkraftwerken, Elektrosmog, vor Gentechnologie, „den Märkten“ oder auch nur den Ungleichheiten, die das Leben so mit sich bringen kann. Deshalb reagiert man, wie alle ängstlichen Menschen, mit der Sehnsucht nach dem umfassend behüteten Leben. Und das bedeutet nicht nur, dass man nach sozialen Absicherungen für alles und jedes verlangt, nach Quotierungen und Regelungen, sondern dass der sich kümmernden Staat auch die Widerspenstigen und Uneinsichtigen zur Räson zu ruft hat: mit Rauchverbot, Helmpflicht am besten auch für Radler und Tempo 30 im gesamten Stadtgebiet”.

  2. Spaetleser 4 September, 2019 at 11:00 Antworten

    Herr Kubicki will offener und kommunikativer mit den ausgegrenzten AfD-Wählern umgehen. Sehr löblich. Warum habe ich nur immer das Gefühl, dass AfD-Wähler für “unsere” Mainstreampolitiker so etwas Ähnliches sind wie wilde Tier im Zoo, die man in Schach halten muss?
    Zaun drumherum, Wassergraben drumherum, dicke Panzerglasscheiben, aber offen und kommunikativ auf sie zugehen 🙂

  3. Teller 4 September, 2019 at 19:50 Antworten

    Richtige Ansprache Hr Paetow! Antifaschisten fehlt noch. Danke für den Beitrag. Diese ganze Freiluft-Irrenanstalt kotzt mich nur noch an (bitte um Entschuldigung).

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