Hallo. Wir sind Hilde und Hans.
Wir wollen SPD-Chefs werden*

Live dabei. Die Spiele beginnen!

Mittwoch, 4. September, 18 Uhr. Hier ist zum ersten Mal „SP-Deutschland sucht den Super-Sozi“ aus Saarbrücken. Bevor es los geht – machen Sie sich auf eine Überraschung gefasst – und weil die meisten Interpreten kein Schwein kennt, durften sie sich im Internet schon mal vorstellen:

Über uns:
Hilde: Ich bin in Potsdam geboren und lebe dort auch heute sehr gerne.
Hans ist Arbeiterkind: Ich bin Anwalt für Arbeitsrecht, übe aber seit über 20 Jahren politische Ämter aus.
Wir werden unserer Sozialdemokratie einen erfolgreichen Neustart ermöglichen, den sie dringend braucht. Wir mögen den unmittelbaren Austausch. Wir wollen wieder mehr Sozialdemokratie wagen. Wir haben der SPD viel zu verdanken. Ohne den sozialdemokratischen Bildungsaufstieg wären wir beide nicht da, wo wir heute sind.

Dafür setzen wir uns ein:
Klima: Wichtig.
Für wen machen Sie Politik? Für alle Bürgerinnen und Bürger guten Willens.
Was muss verstaatlicht werden? Je nach Möglichkeit.
Demokratie: Gute Sache, so lange die SPD in der Regierung ist.

*Leider haben Hilde und Hans nicht die notwendige Unterstützung gefunden. Die Aussagen der Zwei finden Sie, verehrte Leser der SPAET-Nachrichten, alle irgendwo bei den anderen Kandidaten wieder. Die anderen Kandidaten, die bei der SPD Kandidierende heißen, und die in den Recall kamen, finden Sie hier.

Aber jetzt geht sie los, die Kandidatenparade. Hier ist Saarbrücken. Durch die Sendung führen zwei unbekannte Saarländer und Thorsten Schäfer-Gümbel. „17 Köpfe, eine Meinung“, jedes Pärchen hat fünf Minuten. Leider bricht die Live-Übertragung der SPD „wegen technischer Probleme“ bei Facebook schnell zusammen, die Übertragung auf der Seite „unserespd“ ebenso. Also gehen wir auf Phoenix, wo wir Thorsten noch hören, sie müssten „Hallen umbuchen, weil so viele kommen wollen“.

Mit der Startnummer Eins Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans: Die forsche Saskia stellt lobend den Norbert vor, Norbert sagt, er sei nur angetreten, „weil ich eine starke Frau an meiner Seite habe. Digitalisierung ist ihr Ding“. Und Bildung, sagt Saksia.

„Und Gesundheit!“ ruft der Mann mit der Startnummer 2. „Mein Name ist Karl Lauterbach, ich komme aus Düren. Die Armen sterben früher als die Reichen! Das ist ungerecht.“ Die sollen genauso früh sterben. Viereinhalb Minuten spricht Karl „die Fliege“ Lauterbach. Nina muss sich leider kürzer fassen. Und ganz schnell: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Plus Klimawandel. Und keine GroKo, sagt Karl.

Startnummer 3, der Solist Karl-Heinz. Mit Willy Brandt sagt er: Gute Politik beginnt mit dem Erkennen der Wirklichkeit. Und er fordert, dass Justiz, Polizei und Staat funktionieren müssten. Die Schichtarbeiterin dürfe keine Angst mehr haben nachts um ein Uhr. Wir sind sicher, der Karl-Heinz kann leider nicht wiedergewählt werden, klingt zu sehr nach Sie-wissen-schon.

Simone und Alex mit der Startnummer 4 treten zurück zu Gunsten von „Norbert und Saskia“. Aber sie bleiben bei den Motto Shows. (Warum?)

Petra (Startnummer 5) hat trotz blauem Kleid die Hosen an. Sie hat den Boris auf einer Dienstreise kennengelernt. „In einer Stadt, sauber und ordentlich , wo die Menschen hinziehen wollen.“ In Belgien, nicht in Merkelstan. Boris ist etwas eingeschüchtert, hat bei Willy Brandt Abitur gemacht und ist dankbar bis heute. Im Übrigen hat Petra alles gesagt.

Christina (Startnummer 6) hat auch Willy-Brandt-Abitur. Will mehr Schulden und überhaupt von allem mehr. Michael ist gerührt von sich selbst: „Mit uns beginnt die neue Zeit. Wir singen nicht über Scheitern und Misslingen. Türen und Fenster für die SPD weit öffnen. Fröhlichkeit bringen. Und die Vereinigten Staaten von Europa.“

Mit der Startnummer 7 kommen Klara und Olaf. Olaf stellt sich nicht vor, ihn kennt man aus dem TV. Der, der den Kaffe bringt, sei genau so viel wert, wie der, der den Kaffe trinkt. (Man sagt Kaffe in Hamburg.) Was von Helmut Schmidt sagt Olaf noch. Und dass es kein Zufall sei, dass die Amis Trump gewählt und die Briten sich für den Brexit entschieden haben. Warum das kein Zufall ist, sagt er nicht.

Endlich. Startnummer 8. Gesine & Ralf. Ralf „weich im Knie“. Die Häme und Spott, der tut vielen von uns weh, sagt er. (Sorry, Ralf, aber wir machen nur unseren Job.) Und dass wichtige Güter nicht in privater Hand sein dürften. Höhere Steuern, jawoll. Beifall. Den ökologischen Umbau sollen die Reichen bezahlen. Wieder Beifall. Gesine stimmt überall zu, „aber wir predigen den Gläubigen“. Tandems seien übrigens problematisch, weil vorne lenkt einer, hinten darf sie strampeln. (Haha) Aber bei ihnen sei das anders, Ralf der Praktiker, der arbeitet, sie die Philosophin. Außerdem sei sie alt und habe bewiesen, dass sie stehen kann, auch wenn der Wind mal kräftig pfeift.

Das Applaus-o-meter lässt keinen Zweifel: Die Gewinner des Abends heißen Gesine & Ralf. Das dürfte alle, die der SPD ein schnelles Ende wünschen, begeistern, so wie Ralfs Rede den Saal in Saarbrücken. Am Ende läufts wohl auf Olaf oder Karl oder Ralf hinaus. Aber Vorsicht: Joker ist Borjans, der die mächtige Ortsgruppe aus dem Homeland NRW hinter sich hat.

Dierk (mit Hilde), den ver.di-Barrikadenkämpfer im blauen Anzug, können wir hier schon abhaken. Das wird nix. Der ist in der falschen Partei.

 

 

7 comments

  1. Rita 4 September, 2019 at 23:04 Antworten

    Hilde und Hans haben mich spontan an Ingrid und Klaus erinnert.

    Wäre es nicht eine sensationell gute Idee, die ohrfeigende Ingrid und den ohnmächtigen Klaus regelmäßig die politischen Entwicklungen kommentieren zu lassen? Das wäre doch mal ein Knüller! 😂

  2. Ein Jünger 5 September, 2019 at 07:22 Antworten

    Sehr geehrter Herr Paetow, selten wurde mein Zwerchfell bereits am Morgen derart gefordert, wie bei “Hilde und Hans”. Die ganze Armseligkeit einer ehemaligen Volkspartei, die richtungs- und profillos der veröffentlichten Meinung hinterherhechelt in einem kurzen und prägnanten Artikel – feinste Unterhaltung. Einer der besten satirischen Artikel der letzten Zeit.
    Ihnen mein aufrichtiger Dank und meine Anerkennung. Machen Sie weiter so !!!

  3. Tobias Kramer 5 September, 2019 at 09:08 Antworten

    So lustig das alles ist, so bedauerlich ist es, wie sich diese Partei immer mehr auf RTL2-Niveau begibt. Ich habe von den Sozialdemokraten ja noch nie viel gehalten, aber wie sich eine deutsche Partei dauerhaft so lächerlich machen kann, hätte ich nicht geglaubt. Helmut Schmidt wäre vermutlich längst ausgerastet und hätte mit seinen Menthol-Zigaretten um sich geworfen. Aber was will man erwarten, wenn das gesamte Spitzenpersonal nur aus Egozentrikern und Egomanen besteht.

    “Die Gewinner des Abends heißen Gesine & Ralf. Das dürfte alle, die der SPD ein schnelles Ende wünschen, begeistern, so wie Ralfs Rede den Saal in Saarbrücken.” — Ohne Worte 😂

  4. Coder 5 September, 2019 at 16:27 Antworten

    Vor ein paar Jahren wurde auf dem Nockherberg mal “Deutschland sucht den Superpolitiker” aufgeführt, da war das allerdings Kabarett. Die SPD zieht das jetzt wirklich durch… Wo ist denn heute noch der Unterschied zwischen Politik und Satire – ernsthaft WO?

  5. Teller 5 September, 2019 at 18:55 Antworten

    Ich muss jetzt – ehrlich gesagt – mal völlig blöde fragen. Ist das echt und ernst? Ein Casting wie bei RTL2 und dann auch noch Saarbrücken? Jetzt mal ernst: Ich kann mir mittlerweile in dieser infantilen Freiluftanstalt alles vorstellen. Kann mir jemand ernst antworten? Hilde und Hans.. soll ich jetzt verarscht werden?

    • Stephan Paetow 5 September, 2019 at 19:00 Antworten

      Lieber Leser, es gibt keine blöden Fragen, nur blöde Antworten. Saarbrücken, Casting wie bei RTL2 – alles echt, alles so gewesen, wie beschrieben. Am Freitag geht es weiter in Hannover…und am Samstag in… und dann…
      Hilde und Hans können leider nicht SPD-Chefs werden, das ist ein kleiner Scherz unsererseits. Aber das Foto ist doch einfach zu schön! Wir hoffen auf Ihr Verständnis. Die SPAET-Nachrichten

  6. Teller 5 September, 2019 at 19:24 Antworten

    Lieber Herr Paetow. Vielen Dank für Ihre Antwort. Unglaublich! Denken Sie bitte an Ihre Leser, die mittlerweile Satire und Realität nicht mehr auseinander halten können. Das Foto von Hilde + Hans ist wirklich schön. Aber die Situation ist derart grotesk; da hätte es Ihrer Übertreibung nicht bedarft. Ich hätte das geglaubt, weil nichts mehr unmöglich ist. Aber Ihre Artikel sind auch ohne Überspitzung ein Genuss.

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