Politische Debattenkultur?
Nä, dat is nix für uns...

Parlamentarismus

Klare Ansprachen, Misstrauensvoten, Widerworte gegen die gottgegebene Führung – in England sieht man ja, wohin das führt!

Zunächst müssen wir kurz das Bild erklären. Wir suchten auf einer Website für kostenlose Bilder (nein, kein versteckter Spendenaufruf!) ein Bild zum Thema „Parlament“. Da wurden erwartbare Gebäude angeboten, House of Parliament, sogar der Bundestag im Reichstag, aber Gott, laaangweilig. Wir hätten gerne ein Bild aus dem britischen Debattenhaus gezeigt, wo sich die politischen Gegenüber gegenüber sitzen, was die Aussprachen zusätzlich würzt, oder ein Bild aus den noch ganz jungen oder etwas anderen Demokratien (Ukraine, Südafrika), wo zu Auseinandersetzungen Fäuste, Knüppel und Mobiliar hinzugezogen werden. Aber die erste Person, die uns unter dem Stichwort „Parlament“ angeboten wurde, war tasächlich Erdogan, und das, fanden wir, beweist Digital-Humor.

Ironie, Sarkasmus, Order!-Order!-Rufe (nicht nur wenn eine bestimmte Partei spricht), gelegentlich brillante Reden statt Schulz-Pathos, Kahrs-Kakophonie oder Merkel-Geschwurbel. Apropos Merkel: bei den Briten ist ein ähnlicher rethorischer Rohrkrepierer nicht Regierungschef, sondern (erfolgloser) seniler Sozialistenführer. Ach, das englische Parlament! Die Sitzungen des House of Commons sind öffentlich. Und Zuhörer äußern bisweilen mit Zwischenrufen und dem Werfen von Gegenständen ihren Unmut, berichtet empört die „Welt“, gottlob können die aber auf Antrag ausgeschlossen werden.

Nein, der englische Parlamentarismus ist für uns ein Dschungelcamp ohne Maden. Stellen Sie sich nur mal vor: Dort wird man nur über ein Direktmandat Abgeordneter – ein Heiko Maas hätte das nie geschafft, um nur mal einen rauszugreifen. Die deutsche Politikwissenschaft tröstet uns mit dem Hinweis, dass der Deutsche Bundestag als "Arbeitsparlament" gilt, das seine Aufgaben vor allem hinter verschlossenen Türen, also „in Ausschüssen und Fraktionen“ wahrnimmt. Wenn überhaupt, fügen wir hinzu. Was ist jetzt mit Teresa? Das ist eigentlich Nebensache. Auf das System kommt es an. +++

+++ Die Damen kennen das aus dem Kaffeekränzchen: Die eine will vorzeitig gehen, die anderen sind beleidigt. Und die Wortführerin der Beleidigten, Angela, sagte sinngemäß, dass Großbritannien auf keinen Fall vom Brexit profitieren dürfe. (Wenn sich er ehemalige britische Abgesandte für die Brexit-Verhandlungen, David Davis, richtig erinnert....) +++

+++ Warnhinweis! Gestern zitierten wir Spiegel online, heute mal Breitbart mit einem Bericht über Donald, der die College Football Champions „Clemson Tigers“ im Weißen Haus empfing. Nun ist da ja gerade Shutdown, das heißt, die Küche bliebt kalt, bis der Donald seine Mauer zu Mexiko kriegt. Und was machte der Don? Richtig, er bestellte Pizza und Burger. Die Presse (er nennt sie Fake News) schäumt, aber Donald twittert ungerührt:

@realdonaldtrump: „Great being with the National Champion Clemson Tigers last night at the White House. Because of the Shutdown I served them massive amounts of Fast Food (I paid), over 1000 hamburgers etc. Within one hour, it was all gone. Great guys and big eaters!“

Quaterback Trevor Lawrence twitterte zurück, es sei prima gewesen, er käme gerne wieder. Nimm das, Stefan Kretschmar (der sich gegen „Instrumentalisierung“ seiner Redefreiheitbemerkung verwahrt) +++

+++ Unser Unwort des Jahres: „Sacharbeit“. Es täuscht „Arbeit“ vor und unterstellt, dass es wirklich um „die Sache“ geht. +++

 

 

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