Der Journo und das Messer

Die tägliche Dreigroschenoper

Der engagierte Haltungsjournalist unserer Tage weiß kaum noch wie er die täglichen Messertaten verdrehen soll, so dass am Ende irgendwie ein „Streit“ dabei heraus kommt, der zufällig eskalierte, und den Opfern eine Mitschuld gibt. Neu ist hingegen der Fall, bei dem der Journo das Messer gleich selber mit sich führt...

„Mann sticht auf Wanderweg auf Frau ein“, meldet Bild aus Hamburg – „nach einem Streit mit ihrem Begleiter“. Streit? Dass das Paar spazieren ging und von einer Bande provoziert und attackiert wurde – mitunter ein Fall, der jedem überall in diesem Land täglich passieren kann – muss sich der Leser denken.

Ein Überfall in Kempten, bei dem ein 17-Jähriger „von drei männlichen Personen unter Vorhalt eines Messers aufgefordert wurde, sein Hab und Gut herauszugeben“, und, als er sich wehrte, mit Messerstichen am Oberkörper verletzt wurde, fand es erst gar nicht in die überregionale Presse. Wie viele andere wohl auch. Denn auch dieser Messerstecher gehört mit einer 99%igen Wahrscheinlichkeit dem Integrationsmilieu an, da relativiert der Genosse Journalist, so gut er kann – oder er schweigt gleich ganz.

Wenig Beachtung fand auch ein Messer, das die Polizei bei den Protesten gegen das Omahetzlied vor dem WDR registrierte. Am Kölner Sendehaus hatten „Rechtsorientierte“ (NTV) gegen den WDR protestiert, die dann massiv von „Linksorientierten“ (NTV) angegriffen wurden: „In 20 Fällen leiteten die Beamten Ermittlungen unter anderem zu Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Widerstands gegen Polizeibeamte, Verstoßes gegen das Waffengesetz und Diebstahls ein. Ein Streifenwagen sei beschädigt worden.“

Dass die Gewalt von den „Linksorientierten“ (NTV) ausgegangen ist, darf vorausgesetzt werden, und ist eigentlich nicht mehr der Rede Wert. Überraschend ist eher, dass „Linksorientierte“ (NTV) festgenommen wurden. NTV: „Bei einem Festgenommenen handelt es sich den Angaben zufolge um einen 48-Jährigen, der versuchte Menschen anzugreifen, die zur der Kundgebung gehen wollten.“ Aber jetzt kommt’s: „Bei ihm fanden die Polizisten ein Messer sowie einen Presseausweis.“ Verteilen die beim Journalistenverband DJV oder bei Verdi zum Presseausweis jetzt auch schon Messer?
(„Was willst du mit dem Messer, sprich!“
„Berichte schreiben, verstehst du mich.“)

+++ Vorschlag zur TV-Qualitätsoffensive

Wenn die 40 TV-Autoren, die das Omahetzlied wieder online stellen wollen und den WDR als Opfer rechter Trolle sehen, in Zukunft beruflich etwas anderes machen würden, wäre das TV Programm wahrscheinlich wieder deutlich besser.

+++ Die Welt im Spiegel:

Aus dem Foto eines Massenaufmarsches zur Feier des nach einem Streit mit einer Drohne ums Leben gekommenen iranischen Mordbrenners Soleimani ziehen die Spiegel-Experten den Schluss: „US-Präsident Trump wollte mit der Tötung des iranischen Topgenerals Soleimani das Regime in Teheran schwächen. Doch er hat vorerst das Gegenteil erreicht: Irans Bürger versammeln sich hinter ihrer Führung.“
Dabei gilt doch bei solchen Staatsfeierlichkeiten bekanntermaßen: Wer zu spät oder gar nicht kommt, den bestraft der Revolutionswächter.

+++ Kallstadts Bürgermeister Thomas Jaworek, CDU, weiß, wie man sich international beliebt macht. Sollte Donald Trump das Grab seiner Großeltern in der Pfalz besuchen, hat Jaworek die Predigt schon fertig: „Kallstadt ist eine Modellkommune für mehr Nachhaltigkeit im Biosphärenreservat Pfälzerwald. Ich würde dem US-Präsidenten sagen, dass man auch im Kleinen viel bewegen kann.“

+++ Hollywood in New York. Harvey Weinstein fuhr im Rollator vor, um sich wegen diverser Me-Too-Anklagen vor Gericht zu verantworten. „Fast schon grotesk“ findet Bild, dass er sich nicht von einem Frauenschänder verteidigen lässt, sondern von einer Frau! Messerstecher werden schließlich auch von Messerstechern verteidigt und Linksradikale von Linksradikalen.

+++ Diese Perle der Argumentation fanden wir im Kommentarbereich der Welt zum Thema Spezialdemokraten:
„Die beiden Spitzen sollten nicht Kanzlerkandidaten werden. Die SPD sollte endlich Herrn Dr. Heiko Maas aufs Schild heben. Ein sehr eloquenter Redner und charismatischer Macher. Noch dazu verdammt gut aussehend. Dann klappt es auch wieder mit dem Wähler. Und den Wählerinnen.“ Schreibt angeblich ein Kommentator namens Marco P. Oder bist du das, Heiko?

 

(Ein besonderes Dankeschön an Gerhard S. aus H. für die Unterstützung!)

4 comments

  1. Tobi K. 6 Januar, 2020 at 20:51 Antworten

    Man hat so den Eindruck, je mehr Staatsfunk und Haltungsjournaille versuchen, die Leute mit aller Macht für dumm zu verkaufen, umso mehr verblöden die dabei selbst. Und je mehr sie sich in die Enge gedrängt fühlen, umso skurriler werden die Meldungen. Anstatt einfach über Tatsachen zu berichten, die sowieso jeder dank des Internets überall finden kann, bemüht man scheinbar stundenlang das Manual Framing, um dann am Ende ein Klabuster an Sinnlosem zu produzieren. Aber das kommt halt dabei raus, dass sich jeder Journalist nennen darf, der QWERTZ mit geschlossenen Augen auf der Tastatur tippen kann.

    Aber jede abstruse Meldung, jeder idiotische Artikel, jeder dumme Tweet und jeder Videobeitrag wird für alle Zeit im Netz gespeichert und mit dem jeweiligen Urheber namentlich verknüpft sein. In zehn Jahren werden das eventuell viele von denen als oberpeinliche Schande empfinden. Ein Stigma, das für ewig haften bleiben wird. Die Zeit für Wendehälse wird schwerer 😎

  2. Emmanuel Precht 6 Januar, 2020 at 21:57 Antworten

    Zu denen, die auf dem Schild durchs Dorf getragen werden fällt mir dieses ein: “Nein! Du wirst nicht singen”. Wohlan…

  3. Herbert Priess 7 Januar, 2020 at 07:38 Antworten

    Die AAS behauptet bei Twitter rotzfrech, ein rechter Teilnehmer soll ein Messer gezückt haben! Der restliche Tweed strotzt vor Falschbehauptungen aber man weiß ja von wem es kommt.
    Den Maas als Kanzler? Warum nicht, wenn wir uns sowieso vor der ganzen Welt zum Drops machen ist das auch schon egal.

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