Der Bohrloch-Beauftragte

Spaet am Sonntag

Ganz Deutschland wird von Narren regiert. Ganz Deutschland? Ja, aber ein kleines Häuflein schafft es trotzdem, sich noch innerhalb ihrer Narren-Peer-Group besonders zu profilieren. Diese wollen wir immer wieder sonntags mit einer Geschichte gebührend vorführen.

 

Diese unsere kleine Posse spielt in Niedersachsen, da wo der Genosse Weil regiert, zusammen mit der CDU. Über dem Gerichtswesen thront für die Union Barbara Havliza aus dem Homeland NRW. Der stießen die verschiedenen Wappen in den Gerichtsälen des Landes übel auf, anscheinend hatte sich der ein oder andere Richter nach Gusto eines gebastelt. Nun soll gemäß der Vorgaben der Anlage 1 zu Paragraf 1 Absatz 1 des Niedersächsischen Wappengesetzes Ordnung geschaffen werden und jeder Gerichtssaal zwischen Winsen und Buxtehude bekommt ein Bildnis vom Springenden Pferd, bei dem das vorschriftsmäßige Verhältnis von Schildbreite zu Schildhöhe 6:7 gewahrt bleiben muss.

Wenn es der Gerechtigkeit dient, mag da der verwunderte Niedersachse seufzen, und er wird auch die 60.000 Euro, die die Aktion zur Rechtssicherheit kostet, stumm wegstecken – in Niedersachsen ist man einiges gewöhnt. Auch für uns wäre der Nonsens keine Zeile wert, wenn die Geschichte damit beendet wäre, aber sie fängt gerade erst richtig an.

Denn nun müssen die Gerichte einen „Bohrloch-Beauftragten“ ausbilden lassen, weil sich in den alten Gebäuden Asbest in den Wänden und Decken befinden kann. Um das herauszufinden, wird der Mitarbeiter entspechend geschult. Löcher bohren darf er trotz der Zusatzschulung aber immer noch nicht. Vielmehr besteht die Aufgabe des „Bohrloch-Beauftragten“ darin, aufzupassen, dass niemand unbefugt einen Nagel in die Wand schlägt.

Diese hübsche Posse beschreibt das Winsener Wochenblatt. Und der Autor fährt fort: „Soll nun das neue Wappen aufgehängt werden, muss der Beauftragte eine Spezialfirma beauftragen. Deren Mitarbeiter bauen dann rund um den betreffenden Saal eine Dekontaminationsschleuse auf und nehmen anschließend unter einem Vollschutzanzug eine Probebohrung vor.“ Hahaha.

„Die Probe wird an ein unabhängiges Institut eingesendet und dort auf Asbest untersucht. Erst wenn es von dort ein 'Go' gibt, kann die Spezialfirma samt Ausrüstung und Sicherheitsschleuse erneut bestellt werden, damit diese ein Wandkataster erstellt und das Wappen angebracht wird.“

Nun ist die Geschichte vom Bohrloch-Beauftragten fast zu schön, um wahr zu sein. Es finden sich zwar zahlreiche Quellen zum Wappenaustausch nach Paragraf Irgendwas, aber keine weiteren zum Bohrloch-Beauftragten. Das kann natürlich daran liegen, dass die meisten Medien in Niedersachsen fest in der Hand der Parteien oder ihrer Günstlinge sind, und man lieber nicht weiterbohrt.

Dennoch hat der niedersächsische Bohrloch-Beauftragte das Zeug zur Wandersage. Und sage niemand, so etwas sei nicht einmal in Merkelstan möglich – die Wetten stehen fünf zu eins.

Lesen Sie hier das Orignal (Ehre, wem Ehre gebührt)

+++ P.S.: Nachgereicht, das Wort zum Sonntag:

Gäbe es Eliten, wäre Heiko Hausmeister. Guckstu

1 comment

  1. Raas Clitorius 25 März, 2019 at 08:52 Antworten

    Tolle Idee, das mit dem Bohrloch-Beauftragten! Das nenne ich deutsche Beamtengründlichkeit. Erfreulich wäre es es, wenn, mit der gleichen Gründlichkeit, auf Bundesebene ein ARSCHLOCH-Beauftragter eingesetzt würde. Dem ginge nie die Arbeit aus…

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