Im Westen nichts Neues

Es kommt auf die Perspektive an. Aus seiner Sicht, so Kanzler Fritz im Bundestag, haben „56 Prozent der Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt“ die AfD nicht gewählt. Ätsch. Damit die nächsten Landtagswahlen für die CDU noch besser laufen, machte er unmissverständlich klar, dass „wir“ die Ukraine weiter unterstützen, „weil sie auch unsere Freiheit verteidigt.“ Auch am Hindukusch?

Wirtschaftlich seien wir eh „auf dem richtigen Weg“, und jetzt will die Regierung noch stärker auf Künstliche Intelligenz setzen. Freunde, was wollt Ihr mehr? Dagegen hatte die AfD natürlich keine Argumente, sondern setzte darauf, Angst und Schrecken zu verbreiten. Mit den Worten „Liebe Kollegen von der CDU“, erschütterte Alice Weidel ebendiese bis ins Mark, „schauen Sie sich Ihren Kollegen links und rechts gut an. Einer wird nicht mehr da sein, wenn Merz mit Ihnen fertig ist“. Und Co-Chef Chrupalla höhnte Richtung Fritz, „aus einem Pfuscher wird kein Künstler.“ Gemein! Im Bundestag sorgte CDU-Parteifreundin Klöckner dann für Ordnung und drohte der AfD „Ich schmeiß‘ Sie hier raus!“

Was erlauben Trump? Selbst im fernen Washington hat man vom Beben im kleinen Bundesland Sachsen-Anhalt Kenntnis genommen, und der Donald freut sich wie Bolle über die Merzdämmerung. „MGGA!!!“ postete er auf X, was soviel heißen soll wie „Make Germany Great Again“ (ohne Fritz versteht sich). Deswegen hat Fritz ein Telefongespräch mit dem US-Präsidenten abgesagt, obwohl es bei seiner, unsere Freiheit verteidigenden Ukraine ums Eingemachte geht.

Angela Merkel, wieder aus der Versenkung aufgetaucht, meinte auf n-tv, Fritz müsse seine Politik besser erklären. Er solle mal auf TikTok ein paar Videos einstellen, weil da die AfD so erfolgreich ist. Allerdings mehr so gefühlige Sachen, denn Gefühle seien wirkungsvoller als Fakten. Mit der Brandmauer habe Merz wohl einen Fehler gemacht. „Ich habe das nicht erfunden, und ich mag das auch nicht so“, so die offenbar vergessliche alte Dame aus der Uckermark.  

Bei diesem Internet kann der Markus Söder der Merkel nur zustimmen. Obwohl „wir jetzt eine komplett andere Migrationspolitik machen“, so der Maggus bei Maischberger, werde jede Straftat, jede Messerstecherei „durchs Netz gejagt“, dabei haben wir „in Bayern die sicherste Situation seit 1978“. Hat er aus der Statistik, und in der Tat meldet Bayern mit 1.813 Straftaten mit dem Tatmittel Messer (fünf pro Tag) nach Rheinland-Pfalz die geringste Zahl. Nun gut, 1978 wurden Messerdelikte nicht gesondert erfasst. Aber immerhin: Berlin ist schlimmer.

Derweil in Sachsen-Anhalt? Das BSW wäre bereit, eine überparteiliche Person zum Ministerpräsidenten zu wählen. Didi Hallervorden? Und Reiner Haseloff, der sein Amt rechtzeitig an den glücklosen Schulze übergeben hatte, nimmt nun von seinem Versprechen Abstand, im Falle eines Wahlsieges der AfD das Bundesland zu verlassen, weil er schon „eine Grabstätte“ nur 500 Meter „von der Post da vorne gekauft habe“.

Und sonst so? Haushaltssperre in Bonn und Münster. Und wieder eine „Briefwahlpanne“. Diesmal Berlin, wo gerade gegen den Spitzenkandidaten der SPD wegen Korruptionsverdacht ermittelt wird.

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3 Kommentare zu „Im Westen nichts Neues“

  1. Der gefährlichste Mann der Bundesrepublik ist, anders als ein Hamburger Polit-Magazin noch unlängst uns hat glauben machen wollen, mitnichten in Sachsen-Anhalt zu Hause, sondern er residiert, unbehelligt, aber schwerstens geplagt von Wahrnehmungsstörungen, Realitätsverlust und Grandiositätsphantasien, im Berliner Kanzleramt. Allein nach der heutigen Bundestagsdebatte kann darob kein ernstlicher Zweifel mehr bestehen.

    Der zuvörderst dem Wohle der Ukraine oder deren martialischer Dezimierung sich verpflichtet fühlende und ansonsten tiefgläubig dem allmächtigen Klimagott huldigende Amtsinhaber hat es bei der Gelegenheit auch noch fertiggebracht, den ohnehin schon schwer ideologisch ramponierten, eigentlich eine Selbstverständlichkeit zum Ausdruck bringenden Begriff der Remigration (nicht mehr, noch dazu in Millionenhöhe, de iure aufenthaltsberechtigter Ausländer) allein zwecks zielgerichteter Diffamierung der Opposition noch weiter zu verunstalten, indem er ihn kurzerhand mit dem an völkerrechtswidrige Gräueltaten gemahnenden Begriff der „ethnischen Säuberung “ generell hinsichtlich aller Ausländer in Verbindung brachte.

    Wer so offenkundig wahrheitswidrig und geschichtsvergessen in einem zentralen Punkt der politischen Auseinandersetzung argumentieren zu können meint, hat den Anspruch auf moralische Integrität und intellektuelle Redlichkeit aufgegeben und befindet sich, inmitten einer politischen und wirtschaftlichen Trümmerlandschaft, im freien Fall der Selbstzerstörung, freilich in guter Gesellschaft der „Hochhaussuizidalen, die vom Dach springen und sich auf der Höhe des 43. Stocks sagen, bisher sei doch alles gutgegangen“ (U. Poschardt).

  2. Eine völlig konfuse, nur von Emotionen gegen die Opposition und aussenpolitischen Bekenntnissen( Ukraine, Kampf gegen Russland) getragene Rede des Kanzlers; unpassend zudem zum Schwerpunkt „Haushaltsdebatte „ Im Schulaufsatz hätte gestanden: Thema verfehlt ! Dass der Kanzler am Ende als Ausblick sich zufrieden äußerte, dass wenigstens die „ Armenspeisung“( Tafel) in Deutschland funktioniert, setzt allem noch die Krone auf.-
    Auffällig nicht zum ersten Mal: Die einseitige Sitzungsleitung der Bundestagspräsidentin. Wenn während der Weidel-Rede die Abgeordneten der „ Blockparteien „ permanent stören und Zwischenrufe ohne eine einzige Ermahnung produzieren dürfen,wird ähnliches Verhalten der AfD-Vertreter sofort gerügt und sogar mit Rauswurf gedroht…

  3. Im Bundestag wurde laut gestritten,
    wobei ab und zu die Contenancen entglitten …

    … wird berichtet. Die vertrackte Lage im Lande erfordert solche heftige Diskussionen. Mit „Wir-haben-uns-alle-lieb“-Stuhlkreisen lässt sich aus dem Dilemma nicht mehr herausfinden.
    Allerdings kommen die aktuellen Wortduelle nicht ansatzweise an die Debattenschlachten der 70iger und 80iger Jahre heran. Damals flogen die Fetzen richtig.
    Nach solchen scharfzüngigen Sitzungen sollen die Kombattanten jedoch einträchtig beim Bier in der Bundestagskantine gesessen haben, wird kolportiert.
    Eine derartige friedliche Koexistenz scheint heute unmöglich zu sein …

    … Gute Nacht!

    Mehr von Kater Moritz –
    SATIRE • KRIMI • FANTASY – gibt’s auf:
    https://www.katermoritzspricht.de

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