Das Ei des Arminius

Laschet denkt nach, Söder nicht. Der freche Tobias. Das Tepe-Abitur

Wie versprochen hat Armin Laschet am Osterwochenende nachgedacht, und das ist dabei herausgekommen: Der CDU-Chef und bislang einzige Kandidat für die Kanzlerkandidatur schlägt einen „Brücken-Lockdown“ vor und wünscht ein schnellstmögliches Zusammenkommen der Ministerpräsidenten „in Präsenz“ bei Dr. Angela Merkel.

Wahrscheinlich versteht Armin Laschet schon einen Tag nach Ostern die Welt nicht mehr. Wollte er sich doch eigentlich mit seinen Vorschlägen wieder bei Merkel einkuscheln und ihren Domina-Kurs unterstützen, bekam er zum Dank direkt eine Backpfeife verpasst: Was die vorgezogene Therapiesitzung bei Dr. Merkel betrifft, ließ deren Praxis ausrichten, sei man stets bereit zu einem persönlichen Beratungsgespräch, wenn Laschet Hilfe brauche. Fehlt nur noch der Zusatz: In dringenden Fällen habe er ja ihre Handynummer. Zack.

Nun lohnt es die Mühe nicht, den „Brücken-Lockdown“ und was das genau sein soll zu besprechen – man muss es sich in etwa wie die Lauterbach’schen Wandmalereien vorstellen. Das Wort hingegen klingt wie die Kopfgeburt von professionellen Sinnverdrehern, die sich im politischen Milieu tummeln und für teuer Geld Agenturgequatsche wie „Demokratie leben“ oder „Wir bleiben zuhause“ verkaufen.

Mit Corona hat der Armin’sche Vorstoß nicht viel zu tun. Laschet sagt selbst, dass die Neuinfektionsraten derzeit eine sinkende Tendenz aufweisen. Um wenigstens ein Argument zu haben, behauptet er, die Intensivstationen seien stärker mit Covid-Patienten belegt. Stärker als wann? Am 27. Januar befanden sich laut DIVI-Register 4.501 Corona-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, am 27. März 3.595.

 

Inzidenzen hin, R-Werte her, der ehrgeizige Maggus Söder, der wegen der Kanzlerkandidatur während des Corona-Theaters sogar auf seine über alles geliebte jährliche Faschingskostümierung verzichtete, glaubt: Ohne Salbung von Merkel geht nix. Ein neuer König der Union könne ohne das sogenannte Merkelheil, die Salbung durch die heilige Angela, „kaum erfolgreich sein“.

Auch wenn sich deren ganze Weisheit in Sätzen wie „Ausgangsbeschränkungen können ein ganz wirksames Mittel sein“ bündelt. Immerhin bestätigen Faktenchecker: „Können, sein“ – das stimmt. Wie: Ein paar Likörchen können bei Sorgen ein wirksames Mittel sein.

 

Wer glaubt, als Merkelchen bei der Bundestagswahl den Blumentopf gewinnen zu können, braucht  einen starken Glauben und folgsame Umfrageinstitute. Erfolgversprechender dürfte der sein, der weiß, wie man einen gordischen Knoten löst oder ein Ei auf Kolumbus’ Art aufstellen kann. Als solcher entpuppt sich ausgerechnet der Ministerpräsident Tobias Hans, der die Theater, Außengastronomie und Fitnessstudios im Saarland wieder öffnete. Bei Vorlage eines negativen Tests. Es gilt in Politik wie bei Corona: Wer wagt, gewinnt. Grüße aus Tübingen.

 

Das großartige Schauspiel politischer Inkompetenz geht derweil munter weiter. Jens Spahn will für „vollständig Geimpfte“ alle Test und Quarantänepflichten „zügig aufheben“, was vor allem das Juristengewerbe freuen dürfte. Die Gastronomie wird mit der Generation Draußen-nur-Kännchen den Bankrott kaum abwehren können. Denn wenn wir es richtig verfolgt haben, sind doch bislang vor allem die Ü 70 und die im Heim geimpft.

Übrigens: Jensemanns Ministerium waren zwischenzeitlich ein paar Millionen Impfdosen in der Statistik verloren gegangen. Technischer Fehler.

Manche Städte impften über die Feiertage mit halber Kraft, andere ließen ihre Impfzentren gleich zu. Im SED-regierten Berlin ging – wenig überraschend – zwei von sechs Zentren der Stoff aus. Das könnte dem Drogenzentrum im Görli nicht passieren.

 

Noch mal „übrigens“: Der Spiegel verspricht, dass die Intensivstationen „in vier Wochen überfüllt“ sein könnten. Das nehmen wir mal zur Akte Wiedervorlage Anfang Mai.

 

Zur Beruhigung besorgter Verwandtschaft und Freunde empfehlen wir diese Zusammenfassung der Corona-Lage. Fakten, Fakten, Fakten.

 

Kennen Sie Marlis Tepe? Dann dürften Sie Lehrer sein, denn Genossin Marlis ist Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Volksschullehrerin empfiehlt die Abiturprüfungen in diesem Jahr „im Notfall“ (den Notfall entnehmen Sie bitte den Merkelschen Inzidenzlisten) ausfallen zu lassen. Ein solches Notabitur hat Tradition seit dem Krieg 1870/71 (für unsere Volkshochschulklasse: Wer gegen Wen? Und wer hat gewonnen? Nicht googeln!).

 

14 comments

  1. G. Kleiner 6 April, 2021 at 20:27 Antworten

    “Krieg 1870/71 (für unsere Volkshochschulklasse: Wer gegen Wen? Und wer hat gewonnen? Nicht googeln!).”
    Darf ich zur Beantwortung der schwierigen Frage (vor 150 Jahren war ich noch nicht mal geboren!) statt Google dann wenigstens DuckDuckGo oder Wikipedia nehmen, wenn man keine Volkshochschulklasse hat? Und warum soll man sowas eigentlich selber wissen? Nur um Fragen von Spaet-Nachrichten beantworten zu können? Das nimmt doch alles nur unnötig Platz im Gehirn weg, den man für was anderes viel besser brauchen könnte.

  2. Krufi 6 April, 2021 at 21:04 Antworten

    Auf ScienceFiles erschien heute ein Artikel (Lockdown Kills – Explosive Studie zeigt die Wirkungslosigkeit von Lockdowns gegen COVID-19) zu einer neuen Studie bzgl. Lockdowns. Wenn die Politiker diese lesen würden, wäre das Thema Lockdown Schnee von gestern. Aber da die Entscheidungen in Sachen Corona politisch und nicht wissenschaftlich sind (Aussage Frau Sonnenkönigin), wird diese Studie mit Sicherheit nicht beachtet!

    „Der Spiegel verspricht, dass die Intensivstationen „in vier Wochen überfüllt“ sein könnten“. O ja, da ist was dran. Denn dann kommen die ganzen Patienten mit schweren Nebenwirkungen von den Impfungen.

    Den Beitrag auf Achgut zu Corona habe ich heute früh schon gelesen. Für Leser auf den verschiedenen Blogs enthielt der Artikel mit den Fakten im Prinzip keine Neuigkeiten, aber der Beitrag ist eine sehr schöne Zusammenfassung. Schade ist nur, dass man mit diesen Fakten den „ARD und ZDF –Hörigen“ nicht beikommen kann. Und hier spreche ich aus Erfahrung in der eigenen Familie!!!

    Zu VHS. Ich habe gestern einen Artikel von Epoch Times an eine Ex-Kollegin geschickt (Ich bin kein Lehrer!! Hatten Diskussion wegen Abi). Da ging es genau um diese Dame, Genossin Marlis, die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, und um ihren Vorschlag. Der Deutsche Lehrerverband stellt sich aber gegen die Forderungen. Ich habe in Bayern 1978 Abitur gemacht und weiß nur noch, da bin ich mir aber im Moment auch nicht ganz sicher, dass 1870/71 irgendwas mit Frankreich und Deutschland war. An mehr kann ich mich leider nicht erinnern. Und googeln haben Sie, lieber Herr Paetow, ja leider untersagt (Konsequenz meines Leserbriefes zu der letzten Aufgabe!!??). Ich hoffe, morgen kommt hier die Auflösung.

    • Julius 7 April, 2021 at 11:07 Antworten

      1870/71 war, richtig, der deutsch-französiche Krieg, übrigens der letzte Krieg den “wir” gewonnen haben ;^) erst danach waren wir D (zunächst Königreich D).

      • Krufi 7 April, 2021 at 14:56 Antworten

        Ja, das waren noch die guten alten Zeiten, als Deutschland noch einen Krieg gewinnen konnte. Bei der Bundeswehr gibt es ja bekanntlich die Waffengattungen Heer, Marine und Luftwaffe. Ich kenne Offiziere der Luftwaffe, die glauben, dass sie im Vergleich zu Heer und Marine was „Besseres“ wären. Solchen Offizieren habe ich immer vorgehalten, dass Deutschland seit Einführung der Luftwaffe keinen Krieg mehr gewonnen hat.

  3. Emmanuel Precht 6 April, 2021 at 23:08 Antworten

    Der deutsch/französische Krieg. Mein Großvater hatte es nie so mit den Franzosen. “Wie 70/71” pflegte er mir in die Kinderohren zu drohen. Wohlan…

  4. Peter Groepper 7 April, 2021 at 02:59 Antworten

    @G.Kleiner „Und warum soll man sowas eigentlich selber wissen? … Das nimmt doch alles nur unnötig Platz im Gehirn weg, den man für was anderes viel besser brauchen könnte.“
    Hier kann man, wie so oft, sagen, es kommt drauf an: Wenn man beim Platz haushalten muss, haben Sie zweifellos Recht.

  5. Peter Groepper 7 April, 2021 at 03:16 Antworten

    „Der deutsch/französische Krieg.“
    Hinzuzufügen bleibt noch, dass er von Frankreich begonnen (Emser Depesche…) und verloren wurde. Die sich daran anschließenden politischen Entwicklungen reichen bis in die heutige Zeit und werden von wackeren Mainstream-Historikern gerne politisch opportun interpretiert.

  6. Peter Groepper 7 April, 2021 at 03:21 Antworten

    @ G. KLEINER „Und warum soll man sowas eigentlich selber wissen? …. Das nimmt doch alles nur unnötig Platz im Gehirn weg, den man für was anderes viel besser brauchen könnte.“
    Bei räumlich beengten Verhältnissen ist das ein guter Rat. Aber wie treffen Sie Ihre Auswahl?

  7. Paula 7 April, 2021 at 09:16 Antworten

    Das kommt dabei raus, wenn man die Ruhe an Ostern wörtlich nimmt.

    Wobei man sich fragt, wann denn Söder, Laschet, Lauterbach und Spahn eigentlich arbeiten, wenn sie in jedes Mikrofon Sprechblasen absondern?

    Die ü/70-jährigen, die bereits geimpft sind, wird es freuen, sich endlich wieder austoben zu können -vor immer noch verschlossenen Türen.

  8. Haike Ziegler 7 April, 2021 at 09:47 Antworten

    Vielleicht sollte man überhaupt den Jungs vom Görli das Impfen übertragen. Besser als bei Jensimann klappt es da allemal.

  9. ETIAM SI OMNES, EGO NON 7 April, 2021 at 15:25 Antworten

    VHS: Probieren wir es mal sportlich. Die Equipe Nationale Tricolore gegen Die (schwarzweißbraune) Mannschaft. Endergebnis: Kaiser weg und Anarchie dort zu Deutschem Reich hier. Tempi Passati!

    Brücken-Lockdown anders interpretiert: dem diesjährigen Ramadan eine “durchgehende Ruhezeit” wie dem Gründonnerstag gönnen, um die weitere Steigerung des bisherigen 50-Prozentanteils an der Intensivbettenzahl durch einen Bevölkerungsanteil von lediglich 5 Prozent zu verlangsamen. Dann könnten wir uns den Brückenbau sparen, wird in der Planwirtschaft der DDR 2 ohnehin nie fertig …

  10. Gert Friederichs 8 April, 2021 at 15:00 Antworten

    Also. ich bin 81 und weiß noch, dass bei Sedan Nappo der Dritte geflohen ist, dann aber doch noch gefangen genommen wurde. Und dass die Bunthosen in Paris das nicht wahrhaben wollten und noch weiterkämpfen wollten. Wen von denen dann die Einsicht gepackt hat, aufzugeben, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls wurde Frieden gemacht ohne Marshall- oder Morgentau-Plan und das Deutsche Reich ausgerufen. Nappo kam irgendwo in englisches Exil. Alles doch sehr human, gelle!

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