Komische Vögel

Vom Ämtern und Würden

Erstmals in der 70-jährigen Geschichte des Bundestages entlässt einer seiner Ausschüsse seinen Vorsitzenden. Man muss in der bundesdeutschen Politik nicht groß bewandert sein, um sofort und ohne Zweifel zu wissen: Der Mann, an dem dieses Exempel statuiert wurde, unter Änderung der Geschäftsordnung, muss ein AfDler gewesen sein.

So wurde nun also Stephan Brandner als Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestages entlassen, „weil die Abgeordneten aller anderen Parteien den AfD-Mann untragbar finden“, schreibt ein Journo. Was für eine hirnrissige Begründung! Die Abgeordneten aller anderen Parteien finden alle AfDler untragbar, was man so tagein tagaus in Staatsfunk hört und bei schreibendem Gefolge liest. Geht die Begründung für diese unerhörte Aktion vielleicht noch etwas genauer? „Brandner hatte mit mehreren umstrittenen Äußerungen den Unmut der anderen Fraktionen auf sich gezogen.“ Aha. Noch genauer? „Unter anderem löste er einen Eklat aus, als er das Bundesverdienstkreuz für den Sänger Udo Lindenberg einen „Judaslohn“ nannte.“

Zunächst sei Udo Lindenberg, dem 73 Jahre alten Knattergeist, die plötzliche, neue Aufmerksamkeit gegönnt. Dass er gegen die AfD genölt hatte, hätte ihm allein kaum eine solche Wiederauferstehung beschert, und das Bundesumsatzkreuz aus der Hand von Frank-Walter, dem Spalter, schon mal gar nicht. Erst der „Judaslohn“ brachte die Puppen zum Tanzen. Meinte der Studienabbrecher Paul Zimiak, dank kleiner Intrigenspielchen um AKK zum Generalsekretär der CDU befördert, das mit dem „unerträglichen Antisemitismus“, den er festgestellt haben will? Sein Parteifreund, der Unions-Obmann im Rechts-Ausschuss, Jan-Marco Luczak, jubelte gar: „Die Abberufung von Brandner ist ein klares Signal gegen Hetze und Hass – wir geben dem Amt damit endlich seine Würde zurück.“ Hahaha. Dem Amt seine Würde. Köstlich.

Bevor Sie, verehrte Leser nun erschrecken, weil Sie vielleicht auch schon einmal fahrlässig das Wort „Judaslohn“ in den Mund genommen haben: Laut Duden ist der „Judaslohn“ die Entlohnung für eine „verräterische Handlung“ – nix Antisemitismus.

Das Triumphgeheul der Pressbengels nuanciert je nach der Tiefe ihrer Rotfärbung. Wir zitieren hier nur einen eher gemäßigten Vertreter der Zunft. Matthias Kamann von der Welt findet es „gut und richtig, die Geschäftsordnung so zu ändern, dass die Ausschussmitglieder diesen Mann abwählen konnten“, aber so ganz will er die Methode hinter der Aktion denn doch nicht verkennen. „Allerdings sollten die anderen Fraktionen“ der AfD „das ihr zustehende Amt eines Bundestagsvizepräsidenten zukommen lassen – sofern die AfD eine geeignete Person aufstellt.“ Bevor die „anderen Fraktionen“ jetzt erschrecken, fügt der Weltmann augenzwinkernd hinzu: „Zweifellos gibt es in der AfD-Fraktion manche, die dieses Amt keinesfalls bekleiden dürfen.“

Derweil zelebrieren die Journos den Ärger und die Fassungslosigkeit bei der AfD mit dummen Fragen („Ob nun eine integre Persönlichkeit aus der AfD Brandners Ausschuss-Vorsitz übernehme“), was die Berliner BZ sogleich so kommentierte: „Ein anschließendes Interview von AfD-Chef Alexander Gauland und AfD-Chefin Alice Weidel sorgt für ähnlich viel Aufsehen.“

Für keinerlei Aufsehen „sorgte“ bei der BZ übrigens der Angriff von Linksradikalen in Berlin auf das Wohnhaus einer leitenden Mitarbeiterin einer Grundstücksverwaltung. In der Nacht zum Mittwoch warfen die Täter Scheiben des Hauses im Stadtteil Lichtenberg ein und beschädigten Autos. Klingt nach Leipzig, wo ein linkes Rollkommando eine leitende Mitarbeiterin einer Immobilienfirma zusammenschlug.

Übigens: Den schwarzen Vogel auf dem Bild haben wir nicht vergessen, den können Sie auf dem schwarzen Hintergrund nur nicht sehen 😉

 

Kann man Olaf schönschreiben?

Wo wir schon bei komischen Vögeln sind: „Ein ehemaliger SPD-Politiker soll die Einträge über Olaf Scholz und Klara Geywitz bei Wikipedia geschönt haben“ lesen wir mit Vergnügen. Was will man denn bei den beiden „schönen“? Etwa dass Olaf Scholz der großartigste Bürgermeister von Hamburg war und noch immer dolle vermisst wird? Oder, dass Olaf schon in der Schule der Hellste beim Kopfrechnen war? Hinter der Schönfärberei, die wir mangels Interesse nicht nachgesehen haben, soll ein ehemaliger Redenschreiber von Siggi Gabriel stecken, der zuletzt wegen Dummheit bei der Europawahl aufgefallen war, wo er für einen Kreis antrat, in dem er nicht wohnte.

(Quellen: t-online/Tagesspiegel)

Apokalypse Now

Wenn jeden Tag die Apokalypse beschworen und allerorten irgendein Notstand ausgerufen wird, haben die Gegenden bei der Aufmerksamkeit Pech, wo es wirklich mal dicke kommt. „In Venedig hat das Hochwasser den höchsten Stand seit mehr als 50 Jahren erreicht, mindestens zwei Menschen kamen in der Folge ums Leben. Auch in den Markus-Dom ist Wasser eingedrungen. Der Bürgermeister hat den Notstand angekündigt“, schreibt die FAZ. Wie gesagt, „Notstand“ haben wir auch, von Berlin bis ins Homeland NRW.

 

8 comments

  1. Emmanuel Precht 13 November, 2019 at 22:11 Antworten

    Habe ich das nun richtig verstanden? Da wird die Geschäftsordnung nunmehr, immer dann, wenn man den Schwefelbuben von der …-Partei beikommen will, mal eben geändert? Das hat doch was. Wohlan…

    • Stephan Paetow 13 November, 2019 at 22:17 Antworten

      Ja, genau. Nur deshalb habe ich dem Vorfall so viel Platz eingeräumt, ohne jetzt alle womöglich schwefeligen Aussagen des “Angeklagten” genauer zu analysieren. Aber eine Lex Brandner ist ein Skandal.

  2. Jörg Plath 14 November, 2019 at 06:38 Antworten

    Und das Hochwasser in Venedig konte deshalb so hoch steigen, weil dss “Jahrhundert-Schutzbauwerk” dank korrupter Politiker immer noch nicht fertig ist. Klimawandelhysterie passt den Mainstreamern aber besser ins links-grüne Konzept.

  3. Herbert Prieß 14 November, 2019 at 08:31 Antworten

    Wenn ich mich recht erinnere, wurde auch mal die Geschäftsordnung des Bundestages ges 2017 geändert damit nicht ein AfD Mitglied Alterspresident werden konnte. Es hätte Wilhelm von Gottberg werden müssen aber dann wurde das Prozedere geändert, so daß der Dienstälteste Abgeordnete den Posten bekam. In diesem Fall der Schäuble. Also nichts Neues unter der politischen Sonne.
    Davon abgesehen hat sich der Brandner, ich nenne es vorsichtig, sehr Unklug angestellt. Von einem MdB hätte ich mehr Intellegenz erwartet.

    • Ludger Buerger 14 November, 2019 at 19:55 Antworten

      Das nervt mich auch an einzelnen (!) Abgeordneten der AfD: Obwohl sie ganz genau wissen, dass ihre Feinde (also alle außerhalb der AfD) jedes einzelne ihrer Worte auf die Goldwaage legen, tun sie sich einzelne Abgeordnete immer mal wieder durch höchst unkluge (bzw. saudumme u8nd/oder provozierende) Äußerungen hervor, anstatt einfach mal die Klappe zu halten. (Ich weiß schon selbst, was ich von einem Udo Lindenberg zu halten habe: Nicht viel.)
      Trotz alledem und alledem sehe ich derzeit weit und breit keine Alternative zur AfD.

      P.S. In Baden-Württemberg wurde der lukrative Posten des zweiten Landtagsvizepräsidenten NACH der letzten LT-Wahl 2016 (AfD 15,1 %, SPD 12,7%) einfach abgeschafft (durch Grüne/CDU/SPD/FDP), weil ihn sonst ein Abgeordneter der AfD (als drittstärkster Partei) bekommen hätte. Den Altparteien scheint das Land zu gehören. Sowas nenne ich “Arroganz der Macht”.

  4. Luisa Nemeth 14 November, 2019 at 11:00 Antworten

    Wer nimmt denn diese Pseudo-Akrobaten unter der Zirkuskuppel überhaupt noch ernsthaft ernst???? Bei so viel kalter Luft, die diese Gaukler in ihrem imaginären Heißluftballon produzieren, werden sie hoffentlich bald in der Manege aufknallen. Ganz unten, bei uns, den Besitzern und Auftraggebern der hochdotierten “Lebenskünstler”, die doch bei “Judaslohn” allenfalls erröten müßten, anstatt ihren Verrat noch zu kultivieren. Danke, Herr Paetow, für die Anregung, die “Causa Brandner” mal näher zu betrachten.
    Denn Judaslohn, Linsengericht etc…… sind doch wohl alter, der Bibel entnommener Sprachgebrauch, wer’s braucht.

  5. DemWalterseinWeidenvogel 14 November, 2019 at 11:02 Antworten

    Der Richterbund von Freude tief bewegt
    Der Brandner, der ist abgesägt
    Wenn Richter sowas herzlich loben
    Welch Geist herrscht dann unter solchen Roben?
    Das Lob von hoher Warte läßt tief blicken
    Man ahnt nun wie die Richter ticken
    Manch Urteil lange unverständlich
    wird jetzt begreifbar – endlich

  6. Tobias K. 14 November, 2019 at 11:21 Antworten

    Währenddessen verblassen solche “kleinen Unfälle” wie von der Leyens korruptionsverdächtige Beraterverträge von Tag zu Tag mehr. Auch Frau Dr. plag. Giffey ist auch über jedes Recht und jeden Anstand erhaben. Und Frank-Walter der Spalter darf auch weiter schalten und spalten wie er will. Insofern verwundert einen in diesem “demokratischen” Land nichts mehr.

    Was passiert eigentlich, wenn die schwedischen Verhältnisse auch auf unsere Städte ausgreifen? Malmö liegt keine 500 Kilometer von Berlin entfernt, Hamburg noch näher und die gleiche explosive Mischung besteht in beiden Städten.

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