Von Limburg bis Halle
Seehofer hatte Recht

Terror

Es scheint die Horst-Seehofer-Woche zu werden. Gestern, am Tag des Anschlags von Limburg, sprach der Innenminister: „Die abstrakte Gefahr eines Anschlages ist weiterhin hoch, aber nicht nur durch islamistischen Terror, sondern auch durch Terror von rechts“ – wofür wir ihn zu jenem Zeitpunkt getadelt hatten, und nur einen Tag später die Morde von Halle...

Videos zeigen einen Täter mit „Stahlhelm“ (ntv) und einer Polizei ähnlichen Uniform. Einmal schießt er seelenruhig aus einer Art rauchender Schrotflinte oder Pumpgun, die er nach jedem Schuss neu lädt. Ein anderes Bild zeigt ihn (oder einen zweiten Täter) bewaffnet vor einer Mauer, an der ein weiteres Gewehr steht. Zwei Menschen wurden getötet, ein Mann in einem Döner-Imbiss, eine Frau in der Nähe eines Friedhofs. Ein Täter wollte offensichtlich vergeblich in eine Synagoge eindringen. Laut Spiegel gab es zunächst zwei Mörder, laut Bild einen. Einen „weißen Deutschen“. Inzwischen wird ein Stephan B. aus Sachsen-Anhalt als Einzeltäter genannt.

So reagierte bisher die Gesellschaft:
Joko und Claas sagen Sendung ab. Maas twittert. Europaparlament legt Schweigeminute ein. Ebenso die Mannschaft vor dem Spiel gegen Argentinien. (Der Bundestag gedachte der 12 Ermordeten vom Breitscheidplatz übrigens erst vier Wochen nach der Tat und nach der Kritik von Angehörigen.) Bundesregierung stockt Demokratieförderprogramm doch auf. TV-Experten erkennen auf „allgemeinen Ausländerhass“, Verschwörungstheoretiker wittern False Flag.

Nur am Rande...

Gute Nachrichten für Berlin. Seehofer und Merkel dürfen alle Flüchtlinge behalten. Und die, die kommen, sowieso. Von den übrigen 24 EU-Ländern schloss sich kein einziges der Einigung zwischen den vorgepreschten vier Staaten Italien, Frankreich, Deutschland und Malta an. Vielleicht, weil sich Seehofer auch explizit für die Verteilung von „Wirtschaftsflüchtlingen“, „die rund 80 Prozent aller Geretteten ausmachen“ (Welt), aussprach.

Tsss...

Erdogan rückt weiter in Syrien vor – trotz Warnung von Schonklod Juncker.

 

 

7 comments

  1. Plebs 9 Oktober, 2019 at 20:03 Antworten

    Ein Attentat – in OSTDEUTSCHLAND. Und das VOR der Thüringenwahl. Und dann von einem “Rechten”. Na, hoffentlich hat er auch ein AfD-Parteibuch…

  2. Armin V. 9 Oktober, 2019 at 20:52 Antworten

    Ob Horst das gestern schon wusste? Und warum sagte der Schütze seine Parolen in Englisch auf?

    Natürlich passt das wieder wie die Faust auf’s Auge!

  3. Tobias 9 Oktober, 2019 at 22:52 Antworten

    Klar gibt es durchgeknallte Rechtsextreme, aber irgendwie habe nicht nur ich ein komisches Gefühl, was Halle betrifft. Der Täter hatte die Arschruhe weg und ballerte seelenruhig herum, lud in Ruhe immer wieder nach. Drei Straßen weiter ist die nächste Polizeiwache. Die wären in einer Minute sogar mit dem Fahrrad am Tatort gewesen. Dann ist alles auch schön auf Video drauf, von wem auch immer aufgenommen, und eine halbe Stunde später in allen Medien. Der “Tagesspiegel” twitterte schon kurz nach der Tat von einem rechtsextremen Hintergrund. Da kannte die Polizei noch nicht einmal den Namen des Täters, geschweige dass sie ihn schon festgenommen hatte. Die Live-Ticker in allen Medien sprangen fast gleichzeitig an. Dabei locken Schießereien sonst nicht mal mehr die Schreiber der Bild-Zeitung vom Ofen vor. Naja, auf jeden Fall mein Beileid den Opfern.

    Besonders nett fand ich heute unsere Bundesmerkel. Während sie beim Thema Breitscheidplatz über Monate nicht die Zähne auseinander bekam und selbst nach Limburg unter Sprach-Apnoe litt, hatte sie es heute besonders eilig, den Opfern zu kondolieren. Finde ich ja eine nette Geste, wäre es nicht so durchsichtig. Aber das kennt man bei ihr ja. Tote im Ausland, Tote durch Rechts müssen mit “Heute stehen wir an der Seite der …” immer sofort betrauert werden. Die vielen Opfer, die auf das Konto ihrer politischen Entscheidungen gingen und gehen, sind ihr nichts wert. Viele im Volk (!!!) haben das längst begriffen.

    Ach und hat jemand den Tweet von unserem Außenmaas gesehen? Bedauert diese (mutmaßlich) antisemitische Tat und setzt sich dabei von Amts wegen mit den größten Antisemiten an einen Tisch. Ganz abgesehen davon, dass auch unter seiner Regie weiter tausende muslimische Antisemiten ins Land strömen.

    • Tina S. 10 Oktober, 2019 at 08:30 Antworten

      Auch bei dem kleinen Jungen von Frankfurt, der vor den Augen seiner Mutter in den Tod „geschubst“ wurde, hatte man von Merkel nichts gehört. Zumindest da hätte man erwartet, dass sie sich äußert. Kein Wort des Bedauerns. Nichts. Eiskalt. Wie die gesamte deutsche Medienlandschaft. Ich verharmlose Rechtsextremismus nicht, aber wenn ich so sehe, wer und was dieses Land immer unsicherer macht, dann kommt der eigentliche Schrecken aus ganz anderen Richtungen. Aber genau das wird von der Politik und den Medien verschwiegen und verharmlost. Halle war gestern wieder das beste Beispiel, wie pervers und heuchlerisch diese Politik geworden ist. Und die Medien sind der treibende Keil. Diese doppelten Maßstäbe werden uns allen noch gewaltig auf die Füße fallen.

    • Ingolf Pärcher 10 Oktober, 2019 at 22:56 Antworten

      Och, ich darf darauf verweisen, daß ZDF Info gerade alles abfeuert, was in Sachen Neonazis auf Halde liegt. Bei Illner: Irgendeiner beschwört die jüdische Weltverschwörung herauf, aber die ist irgendwie ungarisch.
      Eigentlich ist die Botschaft klar: Die AfD ist schuld. Welches Bundesland hat bald Wahlen? Tut bloß nicht das Kreuzerl bei den Pöhszen hin!

  4. Immer Schlapper 10 Oktober, 2019 at 09:40 Antworten

    Die Zeiten werden immer unruhiger, anarchistischer und chaotischer, so wie ich und viele andere es schon 2015 vorausgesehen haben. Keine Gemeinsamkeiten mehr, keine Identität, keine Grenzen, keine Regeln, keine Ordnung, keine Autorität, keine Führung, kein Respekt, keine Sicherheit. Deutschland außer Rand und Band. Bald werden sich alle gegenseitig hassen und bekämpfen.

  5. Ruth 15 Oktober, 2019 at 09:23 Antworten

    Sehr geehrter Herr Paetow und Mit-Kommentatoren,

    auch ich wundere mich, wie auch Tobias schrieb, über die perfekte Position der Person, die den Täter filmte, ruhig, ohne ein Ruckeln, ohne einen Kommentar. Wäre es nicht normal gewesen, sofort nach der Polizei zu rufen, statt seelenruhig weiter zu filmen und binnen weniger Minuten den Film an die Presse weiterzuleiten. Erstaunlich wie schnell die Kontaktdaten hierzu griffbereit waren. Oder war man einfach nur gut vorbereitet?

    Die Polizei (wirklich die Polizei??) schießt den Täter an, er fällt neben das Fahrzeug und dann – nichts passiert – man wartet wieder in aller Ruhe ab, bis der Täter sich aufrappelt und dann wegfährt?! Was war für die Polizei in dem Moment so viel wichtiger, dass sie sich gar nicht auf den Täter konzentriert hatten und ihn einfach wegfahren ließen, nachdem er bereits am Boden lag? Warum erfolgte kein weiterer Schuß, kein Überwältigen?

    Nachdem der Bogen der Schuldzuweisungen an die AfD wohl doch etwas arg überspannt wurde, so dass es selbst AfD Kritikern zuviel wurde, schweigen in der Presse Landschaft zu den Fakten und Ermittlungsergebnissen. Ein wenig noch wurde berichtet, was der Anwalt des Täters so von sich gab. Ein Blitzschnelles Geständnis. Wurde der Täter wirklich anwaltlich beraten? Wie war der Deal?

    Bei jedem anderen Fall in Deutschland, wird vom Täter sofort nach der Festnahme ein Drogen- und Alkoholtest gemacht. Wie ist in diesem Fall das Ergebnis?
    Allein die Nachfrage danach im Focus verstößt gegen die Netiquette und wird zensiert.

    Ebenso die Frage, wie Stephan Balliet den Mitwagen bezahlt hatte. Mit welcher Kreditkarte? Irgendwo hieß es doch, er hätte kein Einkommen sondern würde HartzIV beziehen. Auch Fragen hierzu sind beim Focus unerwünscht und wurden nicht veröffentlicht.

    Aber wir wurden ja belehrt, Trolle und Spekulationen braucht niemand – also still sein und ja nichts hinterfragen.

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