Henryk Broder in Wonderland

Der Besuch des alten Herrn

Das Gute zuerst: Eigentlich ist nichts passiert. Kein Anschlag. Von keiner Messerstecherei wurde berichtet. Bei der einzigen Vergewaltigungsmeldung war ein Diakon der Täter. Ja, und Frank-Walter, der Abgehobene, ist wieder im Schloss Bellevue gelandet. So blieb es Henryk M. Broder vorbehalten, wenigstens bei rotgrünen Genossen und Medienschaffenden ein kleines Feuer der Empörung zum Lodern zu bringen.

Broder hatte vorgestern bei der AfD-Bundestagsfraktion eine Rede gehalten, die sich die meisten Kritiker dieses Treffens aber erst gar nicht hatten vorlesen lassen – die sie aber umso eifriger kommentierten. (Das Rede-Manuskript hier) Ausgerechnet Ralf Stegner war wenigstens einmal ehrlich – Hut ab! – er hatte das Gesagte einfach nicht verstanden. „Es gibt sicher Menschen, die so eine Rede vor solch illustrem Publikum geistreich finden - bedauere, dass ich nicht zu diesem Personenkreis gehöre.“ Das macht nichts, Ralf, es muss auch schlichte Denker geben, erst recht in der SPD.

Viele der Empörten haben eh nur ein Bild angeschaut um in Wallung zu kommen. Und ja, wer den Verfemten des Bundestages jede Gefühlsregung abspricht, muss hier eine Propagandaleistung allerhöchster Güteklasse vermuten bei der Herzlichkeit, mit der Alice Weidel den Gast empfängt. Vergleichen Sie das mal mit dem autistischen Tätscheln eines Flüchtlingsmädchens durch Angela Merkel.

Broder kommentierte die Reaktionen im Interview mit meedia.de so: „Es kann irgendein linker Trottel im DLF sagen, dass es Holocaust-Leugner und Klima-Leugner gibt – daraufhin gibt es keinen Shitstorm. Aber wenn ich von Frau Weidel umarmt werde, die, soviel ich weiß, weder wegen Drogenhandels noch für die Förderung von kriminellen Clans in Berlin abgeurteilt wurde, dann regt sich das halbe Land auf.“

Na gut, „das halbe Land“ ist natürlich eine Übertreibung. +++

+++ Erinnern Sie sich noch an Florida-Rolf? Mit dem, beziehungsweise der „Bild“-Kampagne mit seinem Namen, wurde Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts der Weg von der Sozialhilfe zu Hartz 4 geebnet. Die Zeiten haben sich geändert. Rolf heißt heute Ufuk und genießt sein Hartz 4 in Thailand. Außerdem ist Ufuk deutlich jünger und arbeitsfähiger als Rolf, wie er auf Fotos stolz beweist. Leider ist Ufuk nicht der Hellste, so ließ er sich mit diversen Attesten (aus der Verwandtschaft?) als „arbeits- und reiseunfähig“ diagnostizieren. Aber einsichtig ist er doch. „Hätte ich alles anders machen müssen“, erkannte der Nassauer. Na dann beim nächsten Mal. Jetzt fechten seine Anwälte erst mal das Strafurteil an. +++

+++ Das wurde aber Auch Zeit. Berliner Clangangster wieder auf freiem Fuß. Liegt kein Haftgrund vor. (Außerdem hat er mehrere feste Wohnsitze und Immobilien) Warum dann das ganze Tamtam? Jetzt fordern die Clananwälte bestimmt ordentlich Schadenersatz wegen Verdienstausfall. Kein Wunder, dass manche Experten sicher sind: Ein nur leicht Gen manipulierter Blindenhund könnte Berlin besser führen als Rot-Rot-Grün. +++

+++ Dazu passt: Das statistische Bundesamt hat ermittelt, dass Berlin bei Studienanfängern am beliebtesten ist. Noch vor Fantasialand, Idiotistan und Deppenburg-Vordämmern. +++

 +++ So, noch ein Abstecher in den verbotenen Wald, da wo die „Spiegel“-Bäume und -Geschichten wachsen. Seit Relotius weg ist fehlt der emotionale Pfiff. Ein bisserl tägliche Brexit-Panik der Briten, ein bisserl Migrationspädagogik („Neandertaler und Denisova-Menschen nutzten über Jahrtausende die selbe Höhle“). Letzteres soll wollen sagen: Siehste, geht doch. Gähn. +++

 

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