Mit Kompetenz und Quote

Jetzt kommt Karl – Tschüss Horst, hallo Nancy – Bayerischer Einschlag

Kopfrechnen ist seine Sache nicht, aber man versteht ja, was gemeint ist, wenn Olaf sagt, man werde drei Männer und vier Frauen aufstellen. „Das entspricht der Gesellschaft, in der wir leben“, so Scholz, „in der Männer und Frauen jeweils die Hälfte der Bevölkerung ausmachen“.

Wie die Wanderarbeiter schaffen unsere politischen Leistungsträger mal in diesem Ministerium, mal in jenem, gute Leute kann man schließlich irgendwo hinschicken, sie werden überall gebraucht. Gestern Justiz, morgen Verteidigung? Egal. Hauptsache Dienstwagen und Pension.

Wir wollen hier nicht alle Glücklichen aufzählen, die mit Olaf Scholz den Umbau des Landes gestalten dürfen, die meisten sind den Leuten eh unbekannt und haben bisher mehr im Verborgenen gewirkt. Aber zwei Personalien aus der SPD verdienen eine genauere Betrachtung.

Sicherlich hätte jeder Spezialdemokrat das Zeug zum Gesundheitsminister, wie leicht der Job von der Hand geht, zeigte ja gerade erst Jens Spahn, von daher ist die Wahl von Karl Lauterbach eine echte Überraschung. Schließlich hatte der Master of Public Health (MPH) mit seinen Schätzungen und Hochrechnungen, angereichert durch persönliche Begegnungen an Bushaltestellen und im weiten Corona-Bekanntenkreis, Parteifreunden über Monate die Talk-Show gestohlen, und sie aus den Schlagzeilen verdrängt. Das dürfte es den zukünftigen Kollegen – außer Annalena Baerbock – schwer machen, beim Kampf um Aufmerksamkeit.

Wie kam es zu der doch recht lange aufgeschobenen Entscheidung? Setzte sich das Prinzip ‚Leistung lohnt sich’ letztendlich durch? Oder ist die Nominierung der Beleg für die These ‚Klappern gehört zur Lauterbach-Mühle’?

Der beliebte Welt-Journalist Robin Alexander findet es bemerkenswert, dass sich „mit Lauterbach bei der Ampel nach Özdemir zum zweiten Mal der Leistungsgedanke und die demokratische Öffentlichkeit gegen Proporz, Quote und Klüngel der Parteien durchgesetzt“ hat. Und das meint er nicht ironisch.

Wenigstens sparen wir uns die PR-Berater im Gesundheitsministerium.

 

Von ostdeutschen Politkern wird allseits geklagt, dass zu wenig ostdeutsche Politiker in der neuen Regierung säßen, dabei dachten wir mit „Nancy“ – klingt wie Mandy oder Schakeline – wären sie ausreichend repräsentiert, aber Nancy Fraeser stammt aus dem Taunus. Mehr weiß man eigentlich nicht von Nancy außerhalb von Hessen, wo sie die Nachfolgerin vom großartigen Thorsten Schäfer-Gümbel war, dem wir viele Schmonzetten verdanken (geben Sie Thorsten Schäfer-Gümbel in unsere Suchmaske ein).

Aber, jetzt kommt’s: Nancy soll „zumeist froh gelaunt“ sein, berichtet die Presse – ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der aktuellen Spezialdemokratie. Und das, obwohl Nancy schon in Hessen „Rechtsextremismus stets als zentrale Aufgabe sah“. Deshalb wird sie nun Innenministerin.

 

Die Union ist ob der Jubelperser-Berichterstattung über das kommende Kabinett Scholz beleidigt und fordert im Namen von Herrn Wüst (Ministerpräsidenten-Azubi im Homeland NRW) eine Frau als Bundespräsidentin, was zwei Probleme mit sich bringt. Erstens will Genosse Frank-Walter nicht weg, und zweitens haben die Unionisten keine Frau. Erbost sind sie auch bei der Söder-Partei, die vermisst laut Welt „einen bayerischen Einschlag“ – obwohl mehr Einschlag als Claudia Roth geht doch eigentlich gar nicht.

 

Nun kommt also, was kommen musste, und wir sind gespannt: Kontrolliert die Antifa die Impfausweise? Werden „Hot Spots“ (neudeutsch für Lager) für Ungeimpfte errichtet? Wird die neue Regierung die Idee von Sarah Bosetti, wie mit Impfskeptikern umzugehen ist, aufnehmen?

Die „Autorin, Satirikerin, Bühnenliteratin und Moderatorin“ (wir vermuten mal: ZDF) bereicherte die Impfdiskussion um den Gedanken: „Wäre die Spaltung der Gesellschaft wirklich etwas so Schlimmes? Sie würde ja nicht in der Mitte auseinanderbrechen, sondern ziemlich weit rechts unten. Und so ein Blinddarm ist ja nicht im strengeren Sinne essentiell für das Überleben des Gesamtkomplexes.“

 

Der neue Chef der Bild-Zeitung, Boie, fand zwar die passenderen Worte zum Thema, als er schrieb: „Wir alle müssen gegen die Spaltung wirken, egal ob Mann oder Frau, jung oder alt, reich oder arm, berühmt oder unbekannt. Wir gehören zusammen.“ Am selben Tag aber stellte seine Truppe unter der Schlagzeile „Diese Hetzer spalten das Land“ den Arzt Bodo Schiffmann an den Pranger.

 

Ernst beiseite! Erfreuen wir uns wenigstens noch einmal kurz am Wissenschaftsjournalismus des Spiegel, der 2000 den Wissenschaftler Mojib Latif vorhersagen ließ: „Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.“ Dazu die heutige Bild-Schlagzeile: „Jetzt kommt die Schnee-Wand.“ Wissenschaft kann so viel Spaß machen, vor allem bei Vorhersagen.

 

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