Anruf beim Verfassungsschutz

Haldenwangs Denunziationstelefon

Roland Tichy hielt es zunächst für einen Scherz, dass der Verfassungsschutz uns auffordert, jemanden anzuzeigen, wenn man den Verdacht habe, dass dieser Jemand sich radikalisiert. Denn eigentlich sei „das nur in den schlimmsten Diktaturen möglich, dass die Geheimpolizei den Bürger auffordert, anonym Ihren Nachbarn, der sich nicht wehren kann, der sich nicht rechtfertigen kann, der keinerlei Rechtsmittel hat, auf eine Liste der verdächtigen Bürger zu setzen“. Nun, das Denunziantentelefon ist kein Scherz. Wir haben es ausprobiert.

 

Wir wollten schließlich auch unserer neuen Bürgerpflicht nachkommen, wenn wir denn nur wüssten, was genau der Verfassungsschutz hören will. „Hinweise zu Rechtsextremismus, Rechtsterrorismus, Reichsbürger und Selbstverwalter“, wie auf der VS-Homepage angegeben, scheint doch etwas kryptisch. So wissen wir nicht einmal, was mit „Selbstverwalter“ gemeint sein könnte. Da haben wir – sicher ist sicher – mal unter der angegebenen Nummer angerufen.

Also das muss man dem Haldenwang lassen: Der Mann hat seinen Laden im Griff. Zweimal Klingeln, schon ist eine sympathische junge Dame dran. Nix mit: Wenn Sie einen Reichsbürger anzeigen wollen, wählen Sie bitte die „1“, für Rechtsterrorismus wählen Sie bitte die „8“. Da könnte die Telekom noch eine Menge lernen. So lassen wir den (nachgestellten) Dialog beginnen:

SP: Die Nummer, die Sie da verbreiten...

Freundliche Dame: Was heißt verbreiten? Haben Sie die Nummer aus den den sozialen Netzwerken?

SP: Nein, von Ihrer Homepage...

Freundliche Dame: Richtig, auf unserer Homepage gibt es dazu eine Information.

SP: Also dass man Sie anrufen soll, wenn man Hinweise hat...

Freundliche Dame: Wozu haben Sie denn Hinweise?

SP: Ich muss doch erst mal wissen, was für Sie wertvolle Hinweise sein könnten. Wenn ich jemanden kenne, der bei Aldi Hamsterkäufe macht, könnte das ein Reichsbürger sein?

Freundliche Dame: Hamsterkäufe?

SP: Ja. Da gibt’s doch die Reichsbürger...

Freundliche Dame: Ja, das mag sein, aber für allgemeine Fragen ist die Hotline nicht gedacht, da müssten Sie uns eine schriftliche Anfrage schicken.

SP: Wie jetzt?

Freundliche Dame: Wenn Sie keine konkreten Hinweise haben, dann verweise ich Sie darauf, uns eine Email zu schreiben.

SP: Ja, aber ich weiß immer noch nicht, was Sie unter „konkrete Hinweise“ verstehen...

Freundliche Dame: Dann stellen Sie uns Ihre Fragen bitte schriftlich per Email.

– Wir weisen darauf hin, dass wir das Gespräch nicht aufgezeichnet haben, weil das nach § 201 Absatz 1 Strafgesetzbuch (StGB) ja auch strengstens verboten ist. Hoffentlich hat auch der Verfassungsschutz das Gespräch nicht aufgezeichnet. Weil das ja ebenfalls nach § 201 Absatz 1 Strafgesetzbuch verboten ist. Oder? Hoffen wir mal. –

Jedenfalls scheint es sich bei der Hotline um eine Nummer für Denunziationsprofis zu handeln. Deshalb kleiner Tipp für Thomas Haldenwang: Wie wäre es mit einer Broschüre (in der Art wie ‘So erkennen Sie Nazis in Kitas’ aus dem Hause Kahane) als Postwurfsendung in alle Haushalte, wo dann ausführlich erklärt wird, welche Art von Hinweisen das Amt sich wünscht. Es gibt bestimmt viele, viele Menschen in diesem Land, in dem wir gut und gerne leben, die sich an der Jagd beteiligen würden. Und Geld (gegen Rechts) spielt doch offensichtlich keine Rolle.

Roland Tichy zum Thema.
Haldenwangs Bekanntmachung.

 

Und sonst so? Fußball. Hauptsächlich Fußball. Und...
Geschenke von Erdogan

Wir kriegen wieder Menschen geschenkt, würden wir mit Kathrin Göring (-Eckardt) jubeln, wenn wir nicht noch alle Tassen im Schrank hätten, bei der Meldung aus der Türkei: Erdolf, der Prächtige, will uns die gefangen IS-Kämpfer mit deutschem Pass schicken.

Der türkische Außenminister schimpfte dazu, dass Länder wie Großbritannien oder die Niederlande es sich recht einfach machen würden, indem sie den Terroristen die Staatsbürgerschaft entzögen. Da sollten wir helfen. Die Verbrecher nehmen wir auch noch, oder? So geht schließlich deutsche EU-Solidarität.

17 comments

  1. Teller 4 November, 2019 at 20:08 Antworten

    Na alle Açhtung Hr Paetow. Ich mach jetzt auch mal ernst und melde morgen jemanden! Habe nämlich wirklich einen Mann (ein Mann! Graue Jacke, Jeans, Sneaker) beim Kaufland gesehen, der 3 Packungen Nudeln (Barilla, Penne Rigate) in den Wagen gelegt hat. Ein Mann! Melde mich! Wie war doch nochmal die Tel.nr?

  2. Max Zaeher 4 November, 2019 at 20:26 Antworten

    Anonymes Denunzianten-Telefon gegen Rechts … das ist ja alles so irre… so wahnsinnig irre. Jeden Tag (mindestens) eine neue Horrormeldung. Ich fühle mich schon ganz matt und schlapp. Da wirkt die ausnahmsweise nach dem 10. Spiel immer noch spannende Bundesliga nur wenig stimmungsaufhellend.

    Und sonst so? Die Kanzlerin, hauptsächlich die Kanzlerin:
    Heute hier (Indien, Fachkräfte, Einladungs-Selfies, Milliardengschenk),
    morgen dort (Elektroautogipfel, 1 Mio Ladestationen, jetzt geht’s los, jetzt gehts los…)
    und übermorgen schon wieder fort (Welt retten, Doktortitel/Preise/Ehrungen/Orden einsammeln, Nachkanzler-Karriere vorbereiten).
    Fort ist sie mir am liebsten. Aber leider kommt sie ja immer wieder zurück (zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl.) Merkel, Merkel und kein Ende in Sicht. 🙁

    • Max Zaeher 5 November, 2019 at 11:37 Antworten

      Ich hatte bei “Fort ist sie mir am liebsten” folgenden Artikel aus der ZellerZeitung (ZZ, Seite 840) im Kopf:

      Indien schickt Kanzlerin zurück.
      Empfangen wurde Merkel “wie eine Königin” (Zeitung), aber behalten wollen die Inder sie nicht. “Es war gut, wir haben über vieles geredet, aber das würde nicht auf Dauer funktionieren”, sagte der indische Regierungschef dem ZZ-Korrespondenten für Sibirien und China und sprach damit seinen Landsleuten aus dem Herzen. Deutschland hat sich bereiterklärt, die Kanzlerin zurückzunehmen.

      😉

  3. Tobias K. 4 November, 2019 at 22:08 Antworten

    Ich würde ja gern mal Merkel anrufen, wenn sie nicht gerade als Shopping-Queen in der Welt herumreist, und sie fragen, warum sie für Indien eine Milliarde Euro für grüne Verkehrsmittel locker macht, unsere Schulen aber weiter vor sich hin- oder geradezu vergammeln. Oder warum Madame in Zwickau medienwirksam der NSU-Opfer gedenkt, ihr aber die unweit mehr Opfer ihrer politischen Herrschaft stets wortlos so ziemlich am Allerwertesten vorbeigehen. Und warum sie immer plötzlich die Sprache verliert, wenn es sich um Taten von Einmännern, Schubsern, Messer- und Axtjongleuren oder LKW-Fahranfängern handelt.

    • Ostfale 5 November, 2019 at 07:38 Antworten

      Den Anruf bei Merkel sollten Sie tätigen, denn der würde Sie zum Prototypen machen, den die Hallwang’sche Staatsicherheit für die Unterweisung ihrer IM bei der Arbeit für die große Sache braucht. Sie kämen vermutlich in einem Lehrfilm des Ministeriums für staatliche Sicherheit (MfSS) vor, was Ihnen eine gewisse Popularität in Fachkreisen und eine Auszeichnung – durch die Staatsratsvorsitzende höchstpersönlich überreicht – für Ihre Verdienste beim Aufbau des Sozialismus in Feindesland einbrächte. Hoch!, hoch!, hoch!

  4. Victor Halberg 5 November, 2019 at 07:29 Antworten

    das Denunziaten-Telefon der GroKo! die Stasi lässt grüßen……
    bald gibt es über jeden , der nicht für Merkel ist, eine Akte und wenn der/ die / das etwas von der Verwaltung braucht, bleibt er/ sie/ es/ im einfachsten Fall erst mal aussen vor.
    und AfD- ler bekommen dann gar nichts und werden hingehalten, bis sie widerrufen.

    Bürgenden-Kunde 4.0

  5. Stefan 5 November, 2019 at 08:27 Antworten

    Man sollte noch erwähnen,daß man beim Schnüffelwang auch Abhörsets kaufen kann,wenn man sich nicht sicher ist,was der Nachbar gesagt hat.Ein Richtmikrofon,Tonband und ein Poster von Merkel kosten nur 15,95Euro.Wie beim E Autokauf wird eine KaufPrämie von 5Euro fällig und ein Eintrag ins Poesiealbum von Haldenwang. Der Name Göring ist irgendwie immer negativ besetzt.

  6. DemWalterseinWeidenvogel 5 November, 2019 at 10:01 Antworten

    Dissident, Delinquent
    All die Freiheit hat ein End
    angezinkt und verpetzt
    wird am Telefon gehetzt
    Ruhe als die erste Bürgerpflicht
    dieses Motto gilt heut nicht
    Angeschmiert und angeschissen
    Unser Amt will alles wissen
    Wohin führt das ganze nur?
    Und was reimt sich wohl auf Diktatur?

  7. irgendwer 5 November, 2019 at 13:55 Antworten

    das Bay. Landesamt für Verfassungsschutz definiert Selbstverwalter so:

    “Was sind Selbstverwalter?
    Selbstverwalter sind Einzelpersonen, die behaupten, sie könnten durch Abgeben einer Erklärung aus der Bundesrepublik austreten und seien so nicht mehr deren Gesetzen unterworfen. Die dafür genutzten Argumente sind im Wesentlichen deckungsgleich mit denen der sogenannten Reichsbürger.
    Selbstverwalter definieren beispielsweise ihre Wohnung, ihr Haus oder ihr Grundstück als souveränes Staatsgebiet. Ihr Grundstück markieren sie mitunter durch eine (Grenz-) Linie und zeigen als Staatsflagge Symbole, die sie selbst entwerfen.”

    Man könnte sie sicher auch als “Steuerflüchtlinge; für die Flucht ins Ausland zu arm” definieren…

    Ergänzend stellt sich mir die Frage, ob die Flagge “Königreich Württemberg” schon als selbstentworfenes Symbol gilt. (Die Definition des LfV BW ist hier wohl bewusst schwammiger…)
    Und, auch fraglich: Darf ich meinen Nachbarn melden, der ständig “My home is my castle” skandiert?

    (Aber im Ernst: In der Praxis kommen immer mal wieder Selbständige, knapp über der Kleinunternehmerschwelle, daher und fragen, ob das stimme, dass sie keine Umsatzsteuer mehr abführen müssen.)

  8. Reiner Spaßvogel 5 November, 2019 at 14:30 Antworten

    Dann versuche ich mich mal in Selbstverwaltung: “Hiermit trete ich aus der Bundesrepublik Deutschland aus.” Komme ich jetzt in die Überwachung?
    Aber was ist an so einem Satz eigentlich verfassungsfeindlich, wo die “deutsche” Kanzlerin doch alles daran setzt, Deutschland rückstandsfrei in der EU aufzulösen?
    “Hiermit trete ich aus der EU aus” traue ich mich natürlich nicht zu schreiben. Das wäre mir zu gefährlich. 🙂

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