In Bielefeld ist Apothekenbetreiberin Elisabeth Kutter, 60, inzwischen weltberühmt. SPD-Prominenz aus der Landeshauptstadt Düsseldorf reist an, Grünen-Chefin Haßelmann aus Berlin gibt sich die Ehre in der Provinz, alle wollen ein Foto mit dem Instagram-Star, der sein Etablissement demokratiebesenrein halten will. Sprich: Keine Pillen an Wähler von gesichert rechtsextremen Parteien.
Obwohl – halt! – wir müssen unserer journalistischen Sorgfaltspflicht Genüge tun: Im Homeland NRW ist die AfD nur ein „rechtsextremer Verdachtsfall“. Außerdem bleibt in der allgemeinen Berichterstattung die Frage offen, woher die Apothekenfrau weiß, wen ihre Kunden wählen. Ist es in Bielefeld üblich, dass sich die Kundschaft im örtlichen Handel bei Einkäufen als Wähler der gesichert demokratischen Partien legitimieren muss? Oder hat die Oma gegen rechts nur freidrehend auf Instagram gepöbelt und AfD-Wähler als „Vollpfosten“ beschimpft, die in ihrem Hause unerwünscht seien? Jedenfalls bekam sie wohl ein paar passende Antworten, so dass die Linksextremen Frau Kutter einen für solche Fälle vorgesehenen Opferstempel verpassten. Bundesverdienstkreuz folgt.
Zum ersten Mal seit 24 Jahren muss Frankreich mehr als 5 Prozent Zinsen für neue Schulden zahlen. Da lacht selbst Italien, und so geht es dahin. Steigende Zinsen, dicke Hose in der Ukraine und Nahost und immer mehr Neu-Franzosen im sozialen Netz führen zu höheren Schulden bis Rien ne va plus. Müssen wir über den Euro reden? Fritz ist Rechtsanwalt, den brauchen wir nicht zu fragen, und Lars hat nun gar nichts Fachliches beizutragen. Christine Lagarde ist ebenfalls Rechtsanwältin und Politikerin, präsidiert aber der EZB. Noch hat sie den Draghi-Satz „whatever it takes“ nicht fallen lassen, aber bis zum „tout ce qu’il faut“ wird es nicht mehr lange hin sein.
Hier ist nicht der Platz, alle Tricks aufzuzählen, mit denen der Euro am Leben gehalten werden soll, am Ende zahlt der kleine Mann. Der hat allerdings inzwischen die Schnauze gestrichen voll (Entschuldigen Sie unser französisch). In Italien streiken die Lastwagenfahrer (vielerorts sind bereits die Regale leer), in Frankreich rüsten die Gelbwesten, in Österreich, Griechenland, Portugal und Belgien sind die Leute auf der Straße. Wie? Nein, bei uns demonstrieren nur Berufsdemonstranten gegen die AfD.
Eine Mehrheit der Deutschen lehnt eine mögliche rot-grün-rote Regierung in Berlin ab, meldet der Staatsfunk. Ach, die Dummerles! Wen interessiert, was die Mehrheit der Deutschen will oder nicht will?
Alles Idioten außer Harald. TV-Prediger Harald Lesch bombardiert seine Gefolgsleute mal wieder mit Fakten. „Niemand, der bei Verstand ist, baut heute noch Kernkraftwerke – außer Staaten, die sie für die Plutoniumproduktion für Atombomben brauchen“, so der Astrophysiker, Naturphilosoph, Wissenschaftsjournalist, Fernsehmoderator, Autor und Hörbuchsprecher. Übrigens, Faktenchecker:
Niemand baut Kernkraftwerke außer China, Russland, Indien, Türkei, Ägypten, Südkorea, Frankreich, Slowakei, Britannien, Polen, die Niederlande und USA (Liste unvollständig) Wie gesagt: Alles Idioten außer Harald (und Journos, SPD, Grüne, SED und Teile der Union natürlich!).
1 Kommentar zu „Der Zug nach Nirgendwo…“
Es kursierte einst das Gerücht in der Welt:
„Es gibt keine Stadt namens Bielefeld …“
… bloß gut, dass es nur ein Gerücht war. Denn wäre es wahr gewesen, wäre der Welt die Apotheken-Saga vorenthalten worden. Und es ist doch unbestritten, dass weder das Land noch die Welt je einem größeren Drama beiwohnen durfte, als jenem, das gerade in Bielefeld zum Besten gegeben wird.
Wahnsinn …
… Gute Nacht und ein schönes Wochenende!
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