Horsts üble Propaganda
und Slowiks Sprach-Entgleisung

Horst Seehofer, Barbara Slowik, Otto Kölbl, CDU maskenfrei

Wie bringt man Menschen dazu, auf ihre Rechte zu verzichten? Wie treibt man ein Volk in einen Krieg? Mit Propaganda. Das war so, und das ist auch heute noch genau so. Weil aber unsere Regierung keine Populisten vorzuweisen hat, denen die Menschen gerne und freiwillig folgen, müssen „Experten und Wissenschaftler“ die Arbeit machen.

Als ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft (oder war es umgekehrt?) wirkte bei Corona Horst Seehofers Innenministerium. Dort wurde ein Team aus „führenden Wissenschaftlern“ von mehreren Forschungsinstituten und Universitäten zusammengestellt, um die Corona-Sirenen heulen zu lassen. Neben „renommierten Fachleuten wie dem Direktor des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler“ gehörte auch ein gewisser Otto Kölbl, mit über 50 ein später Germanistik-Doktorand, zu der illustren Truppe. Seine Expertise: Er war als Fremdsprachenlehrer in China tätig und ein Verehrer des Großen Mao tse Dung und seines ebensogroßen Sprungs nach vorn, dessen Bilanz irgendwo zwischen 15 und 55 Millionen Todes-Opfern lag.

Genau der richtige Mann für eine fundierte Analyse, „um Entscheidungen zu Maßnahmen und ihren Wirkungen einschätzen, vorbereiten und treffen“ (Staatssekretär Kerber) und „Maßnahmen präventiver und repressiver Natur“ planen zu können. Und Germanist Kölbl schätze, bereitete vor und schrieb ins Seehofer-Papier hinein:

„Um die gewünschte Schockwirkung zu erzielen, müssen die konkreten Auswirkungen einer Durchseuchung auf die menschliche Gesellschaft verdeutlicht werden. … Viele Schwerkranke werden von ihren Angehörigen ins Krankenhaus gebracht, aber abgewiesen, und sterben qualvoll um Luft ringend zu Hause. Das Ersticken oder nicht genug Luft kriegen ist für jeden Menschen eine Urangst.“

Oder:

„Kinder werden sich leicht anstecken, selbst bei Ausgangsbeschränkungen … Wenn sie dann ihre Eltern anstecken, und einer davon qualvoll zu Hause stirbt und sie das Gefühl haben, Schuld daran zu sein, weil sie z.B. vergessen haben, sich nach dem Spielen die Hände zu waschen, ist es das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann.“

Nun, viele solcher Geschichten, die in diese Agenda vom Horst passen wie ein Corona-Virus in die gesunde Zelle, fanden Sie, verehrte Leser, dann in vielen Medien und beim Staatsfunk wieder, aufbereitet mit schönen Fallbeispielen und vielen Experten-Stimmen. Auf diese Art wurde das öffentliche Leben lahmgelegt, wurden Existenzen vernichtet und Menschen ins Elend getrieben. Vor fast 200 Jahren schrieb Heinrich Heine fast wörtlich:

Wahrhaftig, Schufterle ist nicht tot, er lebt noch immer und steht an der Spitze einer wohlorganisierten Bande von literarischen Strauchdieben.
(Quellen Welt, Aargauer Zeitung)

 

Wochenend und Sonnenschein, und dann mit dir im Wald allein – damit war nix am vergangenen Sonntag, denn der Wald war voller Menschen, auch in den Städten harrten Schlangen vor den Läden, die Eis verkauften. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die Corona-Frevler herauszufischen, aber gegen des Frühlings klare Botschaft (Stinkefinger!) war sie weitgehend machtlos (außer in Moers).

Immerhin trugen folgsame Zeit-Genossen ihre Bekenntnismaske auch im Freien, da können Wissenschaftler noch so laut ‘aerosolischer Unsinn‘ rufen. Nein, manch staatstreuer Bürger lässt sich nicht davon abbringen, ihn kennzeichne als guten Untertan ein Stofffetzen im Gesicht wie früher das Parteiabzeichen am Revers. Gute Nachricht für sparsame Naturen: Die Maske ist sogar wiederverwertbar, wenn man sie nach dem Waschen „etwa mindestens eine Woche lang an der Luft trocknet“.

 

Prachtwetter oder nicht, Widerständler und Aufwiegler nutzen gesetzliche Schlupflöcher, um der Herrschaft zu zeigen, was sie von ihr halten. Mal tarnen sie ihre Zusammenkünfte als Gottesdienste, mal als Listenparteitag für die kommende Landtagswahl. So wie die CDU in Sachsen-Anhalt, wo 100 Delegierte ohne Masken und Abstand (allerdings auch ohne Grünkohl) in einem Raum beisammen saßen. Man habe ein „umfassendes Hygienekonzept“ erarbeitet, gab der zuständige Funktionär als Entschuldigung an, außerdem hätten die SPD-Genossen auch zusammen gesessen.

 

Die Gedanken sind frei? Nicht bei der Berliner Polizei!

Bei „Verfolgen und ausmerzen“ bietet Google in Sekundenschnelle und ohne nachzudenken Quellen aus den dunklen Zeiten an. „Verfolgen und ausmerzen“ ist der Sprachgebrauch des Unmenschen, der sich seinerzeit gerne bei der Biologie bediente. Oder es ist die Wortwahl von Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik, deren oberste Priorität es ist „rechtsextremes Gedankengut in der Polizei Berlin zu verfolgen und auszumerzen“. Deshalb schickt sie nun eine „spezielle Ermittlergruppe“ los, um „Verdachtsmomenten“ nachzugehen und „Kennbeziehungen“ (also, ich kenne einen, der einen kennt) und „Verbindungen zu rechtsextremen Straftaten aufzuspüren. Die unheimliche Staatspolizeitruppe soll am 1. April ihren Dienst aufnehmen. Und das ist kein Scherz. Die Rote Barbara scherzt nicht.

 

Illustration: adborsche

8 comments

  1. Roland Müller 22 Februar, 2021 at 21:05 Antworten

    Laut einer Grafik von Bild befinden sich die Corona-Hotpots ausnahmslos am Ar..h der Welt. Das liegt wohl daran, das sich die Blockflöten entweder ebenfalls am Ar..h eingefunden haben oder auf den Hund gekommen sind..

  2. Ein Juxtiz-Fan 22 Februar, 2021 at 21:08 Antworten

    Das Aufmacher- bzw. Titelbild spricht Bände. Dem Herrn ist ganz offensichtlich die letzte Hoibe nicht bekommen. Es schaut beängstigend danach aus, als wolle er auf Ihren Text speibn…

  3. Chrissie 22 Februar, 2021 at 21:30 Antworten

    Der Vergleich der Maske mit gewissen Parteiabzeichen hat mir besonders gut gefallen.

    Danke für die umfassende Beleuchtung der causa Kölbl. Schade dass Sie nicht auch gleich noch eingeflochten haben, dass dieser Germanistik-Doktorand kürzlich per Tweet gut fand dass Mao die Intellektuellen Klos schrubben liess.

    Von diesem Niveau werden wir angeführt.

    • Ludwig 23 Februar, 2021 at 00:57 Antworten

      Die Parteiabzeichen am Revers hießen Bonbon. Damit war man – glaubten die Träger – moralisch unangreifbar. Naja, und noch früher trug man zur stylischen braunen Uniform so eine Binde am Arm. Ach Kinder, wie sich doch die Zeiten ähneln. Ist das nicht schön?
      Nun, wegen der Impfung (neu: der Picks) ist doch zu konstatieren, das es neuerdings “Impf Leugner” gibt. Also Sachen sind das!! Wenns jemanden interessiert: bin gegen alles handelsübliche geimpft (DDR Kind), gerade FSME Impfung (2 von 3), weil mir die sache mit den Zecken als Mountainbiker aufn … egal. Aber der Typ von Biontec ist mir nicht sauber. Und überhaupt. Eher gewinne ich als Nichtspieler im Lotto den Supergewinn..
      Frage: ich fühl mich langsam doof mit Berliner Kennzeichen. Die denken doch alle, das ich wie so gewisse Typen ticke. Oder wie die Rote Barbara. Was mach ich jetzt?

  4. Emmanuel Precht 22 Februar, 2021 at 22:21 Antworten

    Als Jens der Spahn noch in die Kamera wissen ließ das Masken zu tragen völliger Blödsinn ist und das es sogar krank mache, also als keine Masken zum Kaufen da waren, weil der Außenheiko sie gerade in Millionen ans Ausland verschenkt hatte, hab ich mir welche , also hochwirksame in Korea bestellt und auch getragen. Denn ich bin ein vorsichtiger Mensch! Was dann dazu führte, dass mir Besorgte mit dem mitleidigen Lächeln der Überlegenheit mitteilten was der Spahnende dazu verlautbarte. Letzte Woche hatte ich dann auf dem Wochenmarkt eine Begegnung der dritten Art. Ein Klotz mit Vollbart, der dem Propheten Ehre gemacht hätte, also der Bart, baute sich vor mir auf, seine Maske schwebte irgendwo vom Bart getragen vor seinem Gesicht und all die einzufangenden Aerosole verließen ungehindert beim Sprechakt den mit dem Akt befassten. “Das ist KEINE FFP2″ Maske”, donnerte er mich an. Nein, das ist eine FFP3 Maske ließ ich ihn wissen und kramte den Beipackzettel hervor. Ich mag verdutzte Gesichter, echt! Da wüsste er aber nicht ob das erlaubt sei. Meinen Beitrag: “Ich hab auch noch so eine, auch erlaubte, aber völlig unsichere blaue OP-Maske, in etwas so wirksam wie eine FFP2 Maske bei Vollbart“ amüsierte ihn wenig. Schließendlich bin ich der recht bedrohlichen Situation aber straffrei entkommen. Wohlan…

  5. W. Hoffmann 23 Februar, 2021 at 08:53 Antworten

    Die rote Barbara scherzt nicht. Natürlich. Linke scherzen nie. Das Humorloseste was man sich denken kann. Deswegen sind ja auch Vergnügungen verboten. Schauen Sie sich nur die Mimik der Staatratsvorsitzenden an. Das funktioniert so: “wenn ich keinen Spaß habe, und ich habe nie welchen, dann sollen alle anderen auch keinen Spaß haben.” Auch deswegen lasse ich denen die Ausrede “Satire” nicht gelten.

  6. Dobbi 23 Februar, 2021 at 19:07 Antworten

    Klumpfuß Goebbelpöbbel war doch auch Germanistiker; Herr Doktor in Hetz mit Gift & Galle….
    scheint ja zu laufen, fahren doch nicht alle bekifft Taxe ;))

Schreiben Sie einen Kommentar zu Emmanuel Precht Antworten abbrechen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .

Wird häufig gelesen