Auch du, Jens?

Corona-Söder, Twitter-Virtuose Levit, Geduldete Killer

Eigentlich wollten wir uns heute die rotrotgrünen Spitzbuben (und ihre Weiber) an der Spree vornehmen, die Mieter der städtischen Berliner Wohnungen drangsalieren, aber dann kam das: Ausgerechnet Maskenjens hat Corona.

Ja, die Maske ist kein Allheilmittel, vielleicht hat der Jens sie aber auch nur getragen, wenn die Kameras liefen, wir wissen es nicht. Nun also häusliche Quarantäne. Das Kabinett (dem der eifrige Minister angehört) macht übrigens weiter wie bisher, obwohl sie mit dem Jens in Kontakt standen, und obwohl die Herrschaften gerade erst, kaum hatten sie unter Kamerabegleitung aufgezäumt den Kabinettsaal betreten, den Mundschutz in der Sitzung wieder schleunigst abgelegt hatten. (Die Welt: „Am Tisch sind die Masken dann ab.“)

Aber, so beruhigt die Verwaltung, das Kabinett tage an einem „großen Tisch“, da hat das Virus keine Verbreitungschance. Die Sorglosigkeit verwundert, schließlich sind einige Mitglieder besonders pingelig. Hubertus Heil (SPD) etwa hat sich schon wegen einer Warnung über die wackelige Corona-App in Quarantäne begeben (Jaja, d i e Corona Äpp!).

 

Im fernen München dreht Söder indes durch. Alarmstufe Rot will er ausrufen. Wahrscheinlich hat er nicht gelesen, dass „der Anteil Verstorbener an allen bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland aktuell weit niedriger ist als in den ersten Monaten der Pandemie. Die sogenannte Infektionssterblichkeit dürfte noch wesentlich geringer ausfallen“.

Egal, außerdem ist Söder zutiefst beleidigt wegen der „widerlichen Fake-News und Verschwörungstheorien, die immer häufiger einen eindeutig rechtsradikalen und antisemitischen Anstrich haben“. So sind in Bayern zwar die Intensivstationen leer, dafür bald die Knäste voll mit Söder-Leugnern.

Übrigens: Eine Schnellsuche „Berchtesgadener Land“/ „Tote“ ergibt zwei Tote bei einem Badeunfall (aus dem Jahr 2019) und ansonsten allerhand Corona-Zahlensalat, aber nichts über Corona-Tote. Eine Youtuberin stellte bei einem abendlichen Prüf-Rundgang vor einem Berchtesgadener Krankenhaus ebenfalls keine panischen Aktivitäten fest, sondern meldete stattdessen Grabesstille.

 

Die Geduldeten sind unter uns

Natürlich war die Aufregung darüber, dass ein abgelehnter Asylbewerber, der aber in Frankreich geduldet wurde, den Lehrer Samuel Paty ermordete, nicht halb so groß wie bei dem während eines Polizeieinsatzes ums Leben gekommenen Ganoven George Floyd. Die Wellemacher wissen schon warum.

Auch um die Ermordung eines 55-jährigen Touristen in Dresden (ein weiterer Tourist wurde schwer verletzt) wurde wenig mediales Aufhebens gemacht. Hier gilt der gelernte, mediale Pawlow-Reflex: Streit, Beleidigung, Pech gehabt.

Nun wurde ein dringend Tatverdächtiger festgenommen. Sie werden es nicht glauben, verehrte Leser: Abgelehnter Asylbewerber, aber weiterhin in Allemannja geduldet. Folgendes haben wir schnell zusammengetragen: „Verurteilter IS-Anhänger“ (Bild), „unter anderem wegen Anleitung zur Begehung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt“ (Spiegel), „weitere Verurteilung wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung“ (Spiegel). Außerdem stand der üble Kerl „unter Führungsaufsicht“ (Welt).

Überraschend, dass die politische Kaste sich zu ein paar Statements hinreißen ließ. Ein Grüner namens von Notz findet, „wir müssen eine klare rechtsstaatliche Linie finden, wie wir konsequent gegen diese aus Hass und Menschenverachtung getriebene Gewalt vorgehen.“ Wir? Wer ist jetzt wieder „Wir“? Dennoch ist die Aussage schön formuliert, wenn auch bedeutungsschwer im Ungefähren und Allgemeinen.

Ausgerechnet von Friedrich Merz, der zuletzt eher unangenehm aufgefallen ist, vernehmen wir die einzig folgerichtige, wenn auch leider nur rhetorische Frage: „Warum ist dieser islamistische Syrer nach Verbüßung seiner Haftstrafe nicht in Sicherungsverwahrung genommen oder abgeschoben worden?“ Als wenn er nicht wüsste, warum...

 

... und jetzt zur Kultur...

„In eigener Sache“ schrieb die Chefredaktion des Süddeutschen Beobachters, diesem sonst so fröhlichen Begleiter durch schwere Zeiten, und sie „bittet Igor Levit und SZ-Leser um Entschuldigung“. Was ist geschehen?

Der Twitter-Virtuose und Pianist Levit ist schwer beleidigt (fast noch mehr als einst Sawsan Chebli, die nicht einmal Klavier spielen kann), denn der Musikkritiker Helmut Mauró schrieb in der SZ, dass Levit zwar fein spiele, aber der vier Jahre jüngere Daniil Trifonov, der sei noch... (an dieser Stelle brechen wir den Kulturteil schon wieder ab und verweisen in der Tastenfrage auf den Pianomanen Michael Klonovsky, der außerdem mit einer Pianistin verheiratet ist und das besser beurteilen kann als wir.)

Wir begeben uns stattdessen ins politische Feuilleton. Mauró geißelt nämlich vor allem die Auftritte Levits bei Twitter und in Talkshows (Levit: AfD-Mitglieder seien „Menschen, die ihr Menschsein verwirkt“ hätten), mit denen er um Aufmerksamkeit buhlt und sieht den Eitlen auf den Spuren von Twitter-Perle Paris Hilton („Öffne alle Türen, dann kannst du es schaffen“). Jedenfalls sei Levit bei diesem „diffusen Weltgericht“ Twitter mit seinen „emotionalen Exzessen“ und seiner „Opferanspruchsideologie“ mit den richtigen Journalisten und Multiplikatoren befreundet, um ein Höchstmaß an Akklamation einzustreichen.

Hat Mauró „Opferanspruchsideologie“ geschrieben? Uiuiui! Da lässt sich prima der Empörungshebel ansetzen. Selbst die schläfrige Welt hört da eine „braungefärbte Tonlage“ heraus, und die Chefredaktion der SZ schreibt entgeistert „auf die Verunglimpfung des Judentums habe der Artikel schon gar nicht abgezielt“. Twitter und Verunglimpfung des Judentums – da musste erst mal drauf kommen! (Was sagt Dorothee Bär? Hat sie ihr SZ-Abo schon gekündigt?)

Die um Meinungsführerschaft bemühte Zeit versucht einen tieferen Grund für Maurós Levitenlesung zu finden und denkt laut nach: „Man könnte nun sagen, dass die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes (an Levit) der Verwirrung Vorschub leistet. Sie ist aber nur ein denkbar schlechter Zeitpunkt für die Abfuhr von aufgestauter Wut in E-Musik-Kreisen.“

Wie nennen wir den Genossen Präsident stets zu Recht? Frank-Walter, der Spalter. Quod esset demonstrandum (Google-Latein).

 

Morgen aber: Berliner Lumpereien. Außer wenn Söder Corona hat.

 

17 comments

  1. Teller 21 Oktober, 2020 at 21:06 Antworten

    Was für eine Meldung! Klasse! Das Spahn (m/w/d) ist Covid 19 positiv! Isses wahr! Zufälle gibts. Nachdem Spahn (m/w/d) eine Art Ermächtigungsgesetz zum Durchregieren eingefordert hat kommt jetzt die weiche Tour: Spahn (m/w/d) gebeutelt vom tödlichsten aller Viren wollte uns genau vor ebenwelchen schützen, selbstlos wie m/w/d ist. Wieviel kostet ein positiver Bescheid vom Arzt? Naja der Umzug in die Bruchbude im Multikulti Bezirk Grunewald will ja gemacht sein. Bisschen Zeit brauchts da allemal. Aber hier hab ich sicher den aluhut auf.

  2. Krufi 21 Oktober, 2020 at 21:23 Antworten

    Dann wünsche ich dem Jens schnelle Genesung. Vielleich kann er ja mal bei Trump nachfragen, wie man nach ein paar Tagen wieder an Bord ist, falls er krank werden sollte. Denn wir wissen, das positiv getestet überhaupt nichts bedeutet.

    Vielen Dank, Herr Paetow, dass Sie meine Bitte, nichts zu Lauterbach zu schreiben, nachgekommen sind. Aber es gibt noch jemanden, der von Lauterbach nichts hält. Nämlich Herr Spahn! Uff, jetzt habe ich gerade noch die Kurve gekriegt, damit ich nicht ganz unglaubwürdig werde. Aber hören Sie selbst ab Minute 1:13: https://www.youtube.com/watch?v=gvLcm9W7zMY

  3. Torsten Last 21 Oktober, 2020 at 22:24 Antworten

    Mensch Jens, wie konnte das passieren?! Maske im Ar… Völlig unreif, der Kommentar meinerseits; aber das ist die aktuelle Politik ja ebenfalls…

  4. Max Media 21 Oktober, 2020 at 22:32 Antworten

    Der arme Herr Spahn. Alles Gute und hoffentlich baldige Genesung.
    Und das meine ich ganz ernst, ich will mich nämlich deutlich von dem Pöbel
    abgrenzen der über Herrn Trump bei dessen Erkrankung schlimme Dinge quer
    durch alle Mainstream-Kommentarspalten gepostet hatte.
    Ich hoffe hier zeigen wir alle Anstand und verhalten uns wie zwischen zivilisierten Menschen.

    Eine Frage hätte ich allerdings:
    Wie konnte der Gesundheitsminister denn nicht durch die Suber-Äbb (hessisch) gewarnt werden
    und stattdessen infiziert (positiv Test) in die Kabinettssitzung (muss natürlich keiner
    in Quarantäne) marschieren? Ich finde da nur eine logische Erklärung.
    Akku leer.

  5. Chris 21 Oktober, 2020 at 22:47 Antworten

    Spahn ist der lebende Beweis dass die Masken nichts bringen.

    Heute ist ein Proband des AstraZeneca Impfstoffs gestorben. Der ehemalige Impf-Direktor des UK-Gesundheitsministeriums sagte im Guardian, die Regierung würde lügen wenn sie behauptet Impfstoffe würden die Pandemie beenden. Sie seien zu umwirksam.
    Ja, lügen Merkel und Blöder etwa?

    • Hannes 22 Oktober, 2020 at 10:01 Antworten

      Beachten: Dem Proband wurde nicht der Impfstoff verabreicht, er war Teilnehmer der nicht geimpften Kontrollgruppe.

      In einer solch großen Testgruppe kann natürlich durchaus mal jemand „ganz normal“ sterben. Es nun mal so, dass Menschen irgendwann sterben, oft unabhängig vom Alter.

      Dass diese Impfstoffe, sofern sie tatsächlich bald schon in den Einsatz kommen, nicht auf negative Langzeitfolgen getestet sind, ist natürlich klar. Dauert es doch sonst im Durchschnitt 13 Jahre, bis in der EU ein neuer Impfstoff zugelassen wird.

  6. alacran 21 Oktober, 2020 at 23:16 Antworten

    Schlagzeile :”Messerangriff in Dresden, Tatverdächtiger von der Polizei festgenommen”
    Nein, diese Messer aber auch – müsste es nicht heißen -Tatverdächtiges festgenommen- ?
    “wir müssen (?) – eine klare rechtsstaatliche Linie finden, wie wir konsequent gegen diese aus Hass und Menschenverachtung getriebene Gewalt vorgehen.“ (von Notz)
    “Wir”? Wer “wir”? Meint er nur sich und die Grünen oder soll ich mitsuchen?
    Ohne hypermoralgeschwollene Liniensucher wie Herrn von (gestrichen, Namenswitze sind doof) und seine zeitgeistigen Gesinnungsgenossen ( und vor allem -genossinnen), hätte der erduldete Geflüchtete hierzulande doch kein Messer zum Angriff hetzen können!
    Wie wäre es denn, wenn “wir”, bevor die Suche nach der klaren, offensichtlich abhanden gekommenen, Linie beginnt, die Rechtsstaatlichkeit bei den Asylverfahren wiederherstellten und die “Danaergeschenke” entweder dort ließen, wo sie herkommen oder sie, nach der ersten Verurteilung, etwas weniger duldsam, zügig repatriierten?

  7. Hannes 22 Oktober, 2020 at 09:51 Antworten

    Heute hat Corona-Söder schon wieder eine Verschärfung der Gängelung der Gastrobranche und deren Gäste beschlossen. Er hat festgestellt, dass das Virus nicht erst um 23.00 Uhr in die Gaststätten kommt, sondern ab sofort schon um 21.00 Uhr.

    Ich frage mich: Ist dieser Söder so dumm oder ist er einfach nur ehrlich, denn weshalb zeigt er schon so frühzeitig vor der nächsten Bundestags-/Kanzlerwahl seinen echten Charakter?

  8. Paula 22 Oktober, 2020 at 10:35 Antworten

    Nicht Stufe rot, sondern dunkelrot (passend zu den Herbstfarben) hat Söder ausgerufen.

    Die Medien schreiben mittlerweile auf einer Seite Warnungen über Warnungen und gleich darunter Entwarnungen von jemandem der hierzu noch nix gesagt hat und nun auch was sagen will.

    Ausser den Überängstlichen liest das doch keiner mehr, geschweige denn, nimmt es auf.

    Deshalb sind ja die Gondeln in Tirol wieder proppenvoll.

  9. Chris 22 Oktober, 2020 at 10:49 Antworten

    Übrigens hatte sich Spahn kürzlich medienwirksam Grippeimpfen lassen. Und prompt die Coronainfektion. Genau das wovor Dr. Wodarg und andere Verschwörungstheoretiker dauernd warnen.

    • Hannes 22 Oktober, 2020 at 21:48 Antworten

      Woher wissen Sie, dass er wirklich geimpft wurde? Kann doch auch Placebo gewesen sein. Die gleiche Placeboshow wird er vermutlich auch machen, wenn ein Corona-Impfstoff da ist.

  10. Chris 22 Oktober, 2020 at 10:52 Antworten

    Am 14.10. war das. Passt ja zeitlich perfekt.

    “Um sich und andere zu schützen, hat sich Jens Spahn heute gegen die Grippe impfen lassen.”

  11. Chris 22 Oktober, 2020 at 11:03 Antworten

    “Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt die Grippeschutzimpfung besonders für Personen, die ein erhöhtes Erkrankungsrisiko haben. Dazu zählen: ältere Menschen ab 60 Jahre, Personen mit Grundkrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, chronischen Krankheiten der Atmungsorgane oder Diabetes, aber auch medizinisches Personal und Menschen, die in Einrichtungen mit viel Publikumsverkehr arbeiten.”

    Die älteren lassen sich impfen und sind dann geschwächt für Corona?

  12. Michaela Simmons 23 Oktober, 2020 at 07:47 Antworten

    “Corona-Zahlensalat”….für diese treffende Formulierung alleine sollte man Sie für den Pulitzer Non-Fiction Preis nominieren dürfen. Danke, Herr Paetow, dass ich, dank Ihnen, einen trüben Herbstmorgen mit herzlichem Lachen beginnen konnte.

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