Der große Maskenball

Verordnungserlassungsorgien

Lange war Regieren nicht so schön, und mit heißem Eifer geben sich unsere Politicos den Verordnungserlassungsorgien hin. In Dresden durften sich Bürger, in Menschtrauben zusammenstehend (!), neu eingetroffene Pflichtmasken abholen. Der pfiffsche Kretschmer empfiehlt den Mundschutz auch daheme beim Essen und Trinken zu tragen – doch, das geht, Übung macht auch hier den Meister.

In Merkelburg-Vorpommern sind Masken erst ab dem 27. April Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, vorher haben Manu Schwesig und die Damen vom SPD-Ortsverein nicht genügend Masken genäht. Jedes Bundesland erlässt nun seine eigenen, meist von den Nachbarn abweichenden Verordnungen – kein Wunder, dass das Corona-Virus langsam so verwirrt ist wie die Eidechsen, die wegen des Bahnhofsbaus Stuttgart 21 in andere Biotope umgesiedelt wurden. Hier könnte eine neue Aufgabe für die Grünen entstehen, die sich ja für alle benachteiligten Geschöpfe auf Erden einsetzen. „Wir wollen, dass in den nächsten vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen!“ (Kirchenmaus Katrin Göring, geborene Eckardt) „Und für jedes Virus!“, ließe sich leicht hinzufügen, schließlich ist kein Virus illegal oder von Haus aus schlecht.

Übrigens: Sebastian Kurz lässt ab dem 15. Mai in Österreich die Gastronomiebetriebe wieder öffnen, „allerdings nur bis 23 Uhr“, weil dann das Virus schlafen gehen muss. Nur Bayerns Söder ist bockig und sagt das Oktoberfest für September ab. Der hat halt nie zugehört, wenn Franz Josef selig vom Krieg erzählte: Nach Russland reinkommen war nicht schwierig – rechtzeitig unbeschadet wieder raus, das war das Problem. Aber wahrscheinlich hätte er die Analogie auch nicht verstanden.

Je mehr sich die Schließungsdiskussionsorgien als übertrieben erweisen, desto störrischer die Esel. Dabei war das „vom Ende her denken“ mal Merkelsche Staatsräson. Am Ende finden wir die Intensivstationen, die mancherorts inzwischen bereits an Unterbelegung leiden. Hier trat das Staatsversagen zu Tage, weil Schutzausrüstungen überall fehlten (Italien und Spanien traf es hart, weil da das Gesundheitssystem noch ruinierter ist). Südkorea und Taiwan kamen ohne Shutdowns klar, weil sie eine disziplinierte Bevölkerung und offenbar befähigte Regierungsverantwortliche haben.

Kleine Korrektur zum vorher gesagten: Ganz am Ende steht natürlich der Tod. Die Statistik spricht von „Übersterblichkeit“, wenn mehr Menschen pro Jahr sterben als im Durchschnitt. Nach all dem Mediengeschrei der letzten Wochen müsste hier bereits eine riesige Beule sichtbar sein. Aber nicht einmal eine kleine Delle lässt sich in Deutschland beim besten Willen erkennen, trotz vieler beschriebener Einzelschicksale. Nur Berlin teilte mit, dass in den letzten Wochen mehr Tote als gewöhnlich festzustellen waren. Das muss aber nichts mit Corona zu tun haben, die Clanhauptstadt ist halt ein gefährliches Pflaster.

 

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum lachen...

Wie ein Comic* lesen sich die Erlebnisse eines braven Polizeibeamten an einem ganz normalen Frühlingstag in Berlin, die die FAZ so schildert:

„Als ein Porsche mit erhöhter Geschwindigkeit in die Kontrolle fuhr, wollte ein Polizeibeamter ihn stoppen, musste aber zur Seite springen, da der Wagen nicht anhielt. Die Haltekelle ging dabei kaputt. Der Wagen wurde einem bekannten Clan-Mitglied zugeordnet.“

Der tapfere Beamte war dadurch keineswegs entmutigt, weiß er doch, dass es zu seinem Job gehört, sich von Clanbrüdern bis zur Pensionierung den Vogel zeigen lassen zu müssen. So stand er denn auch schnell wieder mit einer neuen Haltekelle an der Straße. Weiter in der FAZ:

„Rund dreißig Minuten später durchbrach ein weiterer Wagen mit mehreren Insassen, die offenbar ebenfalls zum Krankenhaus wollten, die Kontrollstelle. Auch dieser Wagen stoppte nicht, so dass der Beamte abermals zur Seite sprang, wiederum ging die Kelle zu Bruch.“

Kein Wunder, dass Deutschland so beliebt bei Asylanten ist – auch die Großfamilie, die hier den Polizisten auf seine Verkehrsbehinderung (mit Kelle dumm rumstehen) hinwies, kam vor 30 Jahren auf Asylticket – wenn man da so viel Spaß mit der Polizei haben kann.

Bis Redaktionsschluss konnten wir uns keinen Reim auf die Aussage des Presssprechers der Gewerkschaft der Polizei Berlin machen: „Wer sich einer Verkehrskontrolle entzieht und nicht davor zurückschreckt, einen Menschen umzufahren, begeht ein versuchtes Tötungsdelikt.“ An wen richtet sich diese Weisheit? Als Trost an den Beamten, der zwei Kellen im Dienst verloren hat? An die Clanbrüder, die kaum deutsche Zeitungen lesen werden? An all die anderen Autofahrer in Berlin, die GTA-Remmo spielen wollen?

(*Wie ein Comic, weil die Beteiligten seit vielen Jahren polizeibekannt sind und offensichtlich nicht aus dem Verkehr gezogen werden können. Dank rotgrüner Justiz und ergaunerter Millionen für teure Anwälte sind Clanbrüder unantastbar wie die Gallier mit ihrem Zaubertrank. Der Polizei bleibt da nur die Rolle der Römer.)

 

6 comments

  1. Nase87 21 April, 2020 at 20:34 Antworten

    Aufgabe für die Grünen entstehen, die sich ja für alle benachteiligten Geschöpfe auf Erden einsetzen. „Wir wollen, dass in den nächsten vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen!“ (Kirchenmaus Katrin Göring, geborene Eckardt) „Und für jedes Virus!“, ließe sich leicht hinzufügen, schließlich ist kein Virus illegal oder von Haus aus schlecht.

    Herrlich, ich lache mich schlapp, danke Herr Paetow.

  2. Luisa Nemeth 21 April, 2020 at 22:14 Antworten

    Ach, Herr Paetow, täglich freue ich mich auf Ihre neuesten Wortschöpfungen – eigebettet in einen realistischen Klamauk. Offenbar aus einem fernen Land, wo sich wilde Mitgeschöpfe auf den Bäumen tummeln können und keinen Politicos, Wirrologen und schon gar keinen Journos ausgeliefert sind. Danke für die Gute-Nacht-Geschichte.

  3. chris 22 April, 2020 at 11:26 Antworten

    Wikipedia: “The word quarantine comes from quarantena, meaning “forty days”, used in the 14th-15th-century Venetian language and designating the period that all ships were required to be isolated before passengers and crew could go ashore during the Black Death plague epidemic.”

    Dr. Frank schreibt auf achgut: “Professor Yitzhak Ben-Israel ist Mathematiker und Physiker von der Universität Tel Aviv und kennt sich gut aus mit sicherheitspolitischen Studien. Er hat sich den Verlauf der gemeldeten Covid-19-Fälle in verschiedenen Ländern vorgenommen (USA, Grossbritannien, Schweden, Italien, Israel, Schweiz, Frankreich, Deutschland und Spanien) und eine erstaunliche Parallele festgestellt. Die Erkrankungszahl steigt in jedem Land exponentiell bis zum 40. Tag an, um dann steil abzufallen.”

    Miss Merkel ist also auf ein uraltes Naturgesetz reingefallen, in Panik von der Klippe gesprungen ohne wissenschaftliche Evidenz, dabei gleich das ganze Volk(swirtschaftssystem) mit in den Tod gerissen, und die Verleitmedien haben fleissig mitgeholfen.

  4. Ingolf Pärcher 22 April, 2020 at 15:23 Antworten

    Daß man vor dem Lockdown tatsächlich schon übern Berggipfel war, konnte man erst hinterher mit statistischer Sicherheit verifizieren, aber das ist nunmal so sachimmanent. Gut, hinterher ist man immer schlauer (wenigstens hoffentlich, es sei denn, es wird per Kazlerinnendekret aufgehoben). Dafür kann man die Prognostik recht kurz halten, daß die Wirtschaft recht zeitnahe und unglaublich sicher final gegen die Wand klatscht (neues Nachhaltigkeitsdogma?)
    Tja, und so verkündet “Rama- Hair” Dorsten seine Einschätzung über Dinge, von denen er bekanntlich weniger Ahnung hat als ein Statistiker, wird mit nem Preis beworfen und Obercheckerin Mme. M. denkt nicht dran, auch nur den größten Unfug aufzuheben und verbietet jede Diskussion darüber – unter steigenden Zustimmungswerten.
    Das war jetzt nur eine beispielhafte Darlegung für eine Anstalt die man früher politisch inkorrekt als Klapse bezeichnet hätte.

    • Frank Danton 22 April, 2020 at 18:39 Antworten

      Da stimme ich ihnen zu. Was zur Signifikamz beiträgt ist der Umstand das wieder einmal nichts wirklich diskutiert wurde. Weder in den Medien noch in der Politik. Man hat sich an ein Institut geklammert, das schon einmal furios gescheitert ist mit seinen Weissagungen und verbrämt jeden der seit Wochen fundierte Gegentheorien vermitteln will. Es zieht sich eine rote Linie durch die Politik hinter der sich all jene verschanzen denen die Demokratie und deren Diskussionskultur völligstens egal sind. Die Reaktionen aus Politik und Medien zu Corona waren die selben Fehleinschätzungen wie sie auch im Bezug auf Klima, KKW Abschaltung, Dieselverbot, Migrationspakt, Grenzöffnung, Vergabepraxis für Entwicklungshilfe und Thüringenwahl getroffen wurden. Es ist eine historisch hysterische Inkompetenz die die Elite in Politik und Medien ausmacht.

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