Wenn die Masken fallen...

USA und Thüringen

Demokratie ist ausgerechnet für viele Politiker eine schwierige Sache. Völlig fremd ist sie den sozialistischen und kommunistischen Parteien-Vertretern, für die die Demokratie lediglich der Übergang zu ihrer ersehnten Diktatur eines angeblichen Proletariats sein kann. Bis es soweit ist, behält man die Maske des Volksvertreters vor dem Gesicht. Und manchmal rutscht diese Maske herunter.

Vor allem Frauen scheint die Camouflage schwer zu fallen. Wer als deutscher Medienkonsument gestern Nacht die Möglichkeit hatte, die Rede an die Nation des amerikanischen Präsidenten bei CNN zu verfolgen, dürfte bass erstaunt gewesen sein. Im Minutentakt erhob sich die Mehrheit der Abgeordneten unter Beifallstürmen. Der Trump, den unsere Medien ständig beschreiben – in die Enge getrieben, angefeindet, nur bei Deplorables (Abgehängten) beliebt –, den gibt es offensichtlich nicht. Dabei verstellte sich Donald J. Trump nicht einmal. Er war derselbe wie bei seinen regelmäßigen Auftritten in Sportarenen im ganzen Land, bei denen er seine Erfolge aufzählt, weitere ankündigt und keinen Zweifel daran lässt, dass er sich für den besten Präsidenten aller Zeiten hält. Für deutsche Zuschauer ungewöhnlich: Der Präsident begrüßte besondere Gäste auf der Galerie, wie Eltern, die ihren Sohn im Irakkrieg verloren, oder eine Mutter mit zwei Kindern, deren Mann in Afghanistan dient. Der Soldat kam dann als Überraschungsgast auf die Galerie. Wann hat Steinmeier deutsche Soldaten, die in Auslandseinsätzen ihren Kopf für unseren Demokratieexport hinhalten, je derart öffentlich geehrt?

Natürlich saßen auch die Miesepeter im Publikum. Abgeordnete der Demokraten, die ihre Wahlniederlage nie verwinden konnten und vergeblich mit allen Mitteln versuchten, Trump zu stürzen. Deren Gesicht: Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, die während der Rede zur Lage der Nation hinter Trump sitzend ständig im Bild war (auf unserem Foto rechts). Ein unvorteilhaftes Bild, denn Nancy guckte, als habe sie einen Schwamm Essig probiert und danach ihre Gesichtszüge eingefroren. Am Ende der Rede zerriss sie das Manuskript, das Trump ihr protokollgemäß übergeben hatte. Hass macht hässlich.

In Thüringen übernahm die Hassrolle die SED-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow (auf unserem Bild links). Die warf dem gerade von einer Parlamentsmehrheit gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich einen Blumenstrauß vor die Füße. Weil der nicht der SED, sondern der FDP angehört. „Deutliches Signal im Landtag“ nannte Bild diese Entgleisung, womit sich unser Spruch „Volksverblödung funktioniert nur, wenn die Presse mitmacht“ wieder mal bewahrheitet.

Kemmerichs Amtsvorgänger Ramelow, trotz fehlender Mehrheit im Parlament lange siegessicher, verlor nach drei Wahlgängen seinen Posten. So beliebt, wie die Presse Ramelow immer darstellte, kann er also nicht gewesen sein.

Eine Phoenix-Reporterin fasste in einer Naivität, die sie wohl den Job kosten wird, logisch zusammen, was passiert war: „AfD, CDU und FDP haben nun mal eine Mehrheit.“ Und Rotfront hatte diese Mehrheit nicht, weshalb besonders die Abgeordneten der CDU-Thüringen massiv bedrängt wurden, Rotfront zu unterstützen. Stattdessen entschieden die sich für den Kandidaten der 5%-Partei FDP Kemmerich, oder wie CDU-Chef Mohring formulierte: Die CDU-Fraktion habe sich in den ersten beiden Wahlgängen enthalten und im dritten den „Kandidaten der Mitte“ gewählt.

Kemmerich versprach in seiner Dankesrede, begleitet vom lärmenden roten Pack (Sigmar Gabriel-Sprachcode) auf den Rängen, „eine Brandmauer gegen Radikale, links und rechts zu errichten“. Trotz Brandmauer dankte er Herrn Ramelow (wofür?). Der dankte das wiederum mit „widerliche Scharade“, und natürlich folgten die vom selben Fleische. Die Grünen verlangten, Kemmerich solle „sofort zurücktreten“. Für den geschichtslosen Heiko Maas war die Wahl Kemmerichs „komplett verantwortungslos“.

Viel erschreckender hingegen, dass auch FDPler und Unionisten jegliches Maß für die politische Mitte verloren haben. Die übereifrige Dorothee Bär, CSU, gratulierte Kemmerich zwar spontan, löschte ihren Tweet jedoch wieder, nachdem Söder eine andere Marschrichtung vorgegeben hatte. Er plädiert für Neuwahlen, wie CDU-Jungspund Ziemiak auch. Selbst die Bundes-FDP will keinen Landesministerpräsidenten stellen. Lindner denkt ebenfalls an Neuwahlen (die die FDP dann ihre 5% kosten dürfte). Eine FDP-Bundestagsabgeordnete mit dem klingenden Namen Marie-Agnes Strack-Zimmermann legte noch eine Schippe drauf: „Sich aber von jemanden wie Höcke wählen zu lassen, ist unter Demokraten inakzeptabel & unerträglich.“

Bundeskanzlerin Merkel, deren politisches Handeln der letzten Jahre in Europa und Deutschland überhaupt erst zu den Verwerfungen dieser Tage geführt hat, haut unterdessen die Steuerzahlerkohle in Afrika aus den Plantagenfenstern.

Die Parteiführer in Deutschland scheinen jedenfalls nicht gewillt zu sein, einem dieser immer gültigen Merkelsätze folgen zu wollen: „Bestimmte Barrieren der Sprechfähigkeiten müssen abgebaut werden.“ Stattdessen soll so lange gewählt werden, bis es den Herrschaften passt.

 

12 comments

  1. Thorsten Heuermann 5 Februar, 2020 at 20:05 Antworten

    Sagen wir es gemeinsam, demokratische Entscheidungen sind nur noch eine Worthülse in Deutschland!
    Und das nicht erst seit heute!

  2. Tobi K. 5 Februar, 2020 at 20:58 Antworten

    Heute haben sehr viele “Demokraten” ihre Masken entgültig fallen lassen. Doch dass selbst aus der CDU fast nur Gift und Galle gespuckt (ja fast ausgekotzt) wird, daran sollten sich alle CDU-Wähler für lange Zeit erinnern. Und ich glaube auch nicht, dass das nur mit Höcke zu tun hat. Es wäre in jedem anderen Bundesland und mit anderen Personen genauso gelaufen. Also halten wir fest: Die CDU steht der Mauertotenpartei SED näher als mancher glauben mag.

  3. Armin V. 5 Februar, 2020 at 22:30 Antworten

    Die AfD hat heute die ganzen Altparteien vorgeführt. Es war ein richtiger Genuss!

    Am meisten vorgeführt wurde jedoch der völlig unfähige und auch unwillige Kemmerich. Der konnte selbst am wenigsten glauben, das er gerade gewählt wurde, und nicht wusste ob er die Wahl annehmen soll. Hätte er doch vorher besser noch mit Graf Lummerland telefoniert, der sofort Neuwahlen forderte.

    Wie meinte der verirrte Hugo einst: Die FDP wird gebraucht. Ja als Sonstige!

    Laut Kemmerich will er jetzt am liebsten mit SPD, Grünen und CDU regieren. Viel Spaß dabei, Maulheld.
    😂😂😂

  4. Dobbi 5 Februar, 2020 at 23:02 Antworten

    Phoenixrunde..au backe… ich freu mich, wenn die AFD bei neuwahlen den Regierungsauftrag abgreift….dann wird thüringen aus der eu geschmissen…oder so…

  5. Michael 5 Februar, 2020 at 23:08 Antworten

    Liebe Genossinen, liebe Genossen, liebe Genossende und Genossenden und all die anderen Genossengeschlechter – so geht Demokratie 🤗

    Spätestens wenn jetzt Neuwahlen ausgerufen werden, weil euch das Ergenis nicht passt, wird auch der letzte Wähler begriffen haben, dass Demokratie mit euch nicht möglich ist.

  6. V. Fiedler 5 Februar, 2020 at 23:39 Antworten

    Ich hoffe heute schon den ganzen Tag auf einen CDU-SPD-Grün-Links-FDP-Politiker, der sein TV-Statement zur Thüringer MP-Wahl mit den Worten beginnt:

    “Guten Tag, dies ist kein guter Tag für Thüringen, dies ist kein guter Tag für … etc. etc. bla bla “

  7. Wolfgang Rösner 6 Februar, 2020 at 01:38 Antworten

    Hat Kemmerich das Format, diese Angriffe auszuhalten. Ich bezweifle es. Ob das Ergebnis nach Neuwahlen viel anders aussehgen wird, auch das bezweifle ich. Tröstend, dass Thüringen doch nicht solch zentrale Bedeutung hat. Wenn sich schon die “Welt” für Ramelow ausspricht, wie geschehen, dann sehe ich keine Überlebenschancen für Kemmerich.

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