Der schlaue Joe und das Mädchen Luisa

Ach wie gut, dass niemand weiß…

Joe Kaeser ist zweifellos so, wie man sich einen Manager der „neuen Zeit“ (Erfindung der SPD) vorstellt. Er tweetet ständig gegen eine bestimmte Partei und für die Migrantenschifferin Carola Rackete. Er hat sogar schon Morddrohungen von Sie-wissen-schon erhalten. Und er leidet an Visionen. Eine Vision heißt Luisa Neubauer.

Aber zunächst heißt die offizielle Vision bei Siemens mal „Vision 2020+“. Der Laden wird zerschlagen. Alles neu, alles anders. Wie die „neue Zeit“. Dorthin wird Joe das neue Siemens aber wohl nicht mehr führen. Weil er mit 62 eine Altersgrenze erreicht hat, aber auch weil „einige Aufsichtsräte“ nichts mehr fürchten als eine Vertragsverlängerung vom Betriebswirt Joe, soll Siemens bald wieder einen Ingenieur an der Spitze bekommen.

Vorher kassiert Joe durch den Umbau von Siemens in drei Gesellschaften für das Jahr 2019 vierzehn Millionen Euro – deutlich mehr als wenn es nicht zum Umbau gekommen wäre, schreibt das Handelsblatt. Hören wir Geschrei von links, wo doch Dax-Vorstandsgehälter gedrosselt werden sollen? Keinen Mucks, denn der anpassungsfähige Joe spielt auch immer wieder mit den Schmuddelkindern. Wie jetzt mit Luisa Neubauer von den Klimakindern (und der Partei Die Grünen). Die 23-jährige ungelernte Luisa soll einen Sitz im Aufsichtsgremium der neuen Tochter-Gesellschaft Siemens Energy bekommen. Weil die Luisa doch so viel von Energy versteht. Außerdem sieht sie ganz schnuckelig aus und kann sich sehr gut ausdrücken. Der Joe überlegt sogar einen 20 Mio-Auftrag einer Minengesellschaft aus Australien zu kippen, weil Luisa gesagt hat, Minen geht gar nicht, wo es in Australien noch nie so heiß war wie heute.

Kann man so einem böse sein? Nur weil er ein paar Millionen mehr verdient als die Gerechtigkeitspartei für angemessen hält? Oder weil er Mitglied der Trilateralen Kommission ist und an Bilderberg-Konferenzen teilnahm? Ich bitte Sie, natürlich nicht.

Außerdem ist in Zukunft eh Schluss mit den fetten Gehältern für seine Nachfolger, weil demnächst Nachhaltigkeitsaspekte wie die Reduzierung der CO2-Emissionen, Lernstunden pro Mitarbeiter und Kundenzufriedenheit bei der Berechnung der Aktienvergütung stärker berücksichtigt werden sollen. Und mit Luisa im Aufsichtsrat träfe die spöttische Abkürzung einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (KPMG – Kinder prüfen mein Geschäft) mal einen wahren Kern.

Die Nachrufe über den anpassungsfähigen Josef Käser aus der 2.000 Seelen-Gemeinde Arnbruck im Niederbayerischen, der sich seit seinen USA-Aufenthalten Joe Kaeser nennt, werden wohl schon geschrieben sein. Man wird kritisch erwähnen, dass er kurz nach der Annektion der Krim Putin besuchte, lobend, dass er für das bedingungslose Grundeinkommen eintritt (nein, nicht 14 Millionen!). Wir nutzen die Gelegenheit von Joes jüngster Meisterleistung der Ablenkung – Luisa for President –, um aus der berühmten Blackbox ein ein paar Stellen zu zitieren, bei denen uns Joe über den Weg gelaufen ist:

Blackbox KW 20/Mai 2018

Wir müssen uns schon wundern über Josef Käser (jetzt: Joe Kaeser), den Chef von Siemens. Erst vor kurzem lobte er Trump (Vielen Dank für die Steuerreform, mein Präsident) – na gut, macht Joe halt hier Fabriken dicht und baut in den USA neue auf. Dann kritisierte er Alice Weidel als BDM-Mädel – klar, in unserer deutschen demokratischen Republik müssen auch die Hoflieferanten mit den Wölfen heulen. Aber, hey Joe, warum gibst Du einem ausgewiesenen Underachiever wie Sigmar Gabriel einen fetten Verwaltungsratsposten? Mitleid? Wirst Du erpresst?

Blackbox KW 39/September 2018

Der Staatsbesuch (Erdogans bei Steinmeier) – der, wir müssen das klarstellen, ohne Not und Grund durch eine Einladung Frank-Walters des Beleidigten zustande gekommen ist – war wenigstens für die Rügenpresse ein voller Erfolg. Laut beklagte sie, dass „ökonomische Interessen offenbar eben doch vor Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten“ rangieren. Dabei hatten sich die Vertreter der deutschen Industrie – außer Joe – gar nicht getraut, vorbeizuschauen („Termine!“). Joe (Käser von Siemens) war aber lediglich wegen Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten dabei.

Blackbox KW 42/Oktober 2018

Da hatte der Heiko in New York extra noch einen so schönen tiefen Diener vor den Saudis gemacht, und dann so was! Journalist verschwunden, angeblich massakriert und zersägt von der Wahhabitischen Inquisition. Joe von Siemens fliegt trotzdem zum Wirtschaftsgipfel in die Wüste, von Religion versteht er nichts.

Blackbox KW 37/September 2019

Nur der trübe Joe, der Siemens-Käser, hatte mal wieder nichts verstanden, und warnte, die Führung in China zu kritisieren. Wirklich? China, Joe? Dabei sollte ausgerechnet er doch wissen: Europa ist die Antwort! Auf alles.

Blackbox KW 38/September 2019

Gute Nachrichten hören wir vom Siemens-Chef. Der müde Joe muss gehen. Da hat er dann endlich mehr Zeit für Politik. Wo Josef Käser wohl mitmischt: SPD? Grüne?

 

Der Mann ist und bleibt ein Rätsel. Da fällt uns am Ende auch nur ein Zitat aus einem Märchen der Grimm-Brüder ein: Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Josef Käser heiß...

 

 

6 comments

  1. Spaetowrianer 10 Januar, 2020 at 22:39 Antworten

    Uffz, bei der Einleitung fürchtete ich schon, Ihr würdet Joe nicht an den Käser erinnern, der einer der Altvorderen wohl mal war.

    Verzeiht mir bitte diese Kurzsichtigkeit, wenngleich ich darum bitte Luisa bitte ab sofort “Langstrecken Luisa Neubauer-Reemtsma” zu betiteln.

    Zumal einem (mir) es als rühmlichere Aufgabe erscheint, sich um die durch ihre Familie zu Schaden Gekommene zu kümmern, statt um den Rest der Welt (Indien, China, etc. selbstverständlich ausgenommen, hehe).

    Jeden Tag lese ich hier rein, kommentiere aber selten, aber seien Sie versichert, Sie haben Reichweite, Sie haben Gewicht!

    Danke für den vielen Fisch!

  2. Emmanuel Precht 10 Januar, 2020 at 23:06 Antworten

    Und Lieschen das Ungelernte sieht sich schon als die neue Ewige Kanzlerin, Herrscherin über das Grün des A-Planeten, “im besten … je gab”. Dann schnell die Grundrechen-APP auf ihrem handgehaltenen Computer mit Anruffunktion mit den Eckdaten der zu erwartenden Einkünfte gefüttert und danach der Grünmama (m/w/d) aufgeregt eine Mässidsch getipselt. Wohlan…

  3. Rügendetektor 11 Januar, 2020 at 11:01 Antworten

    Rügenpresse…
    Sie werden es kaum glauben, aber ich habe zunächst an die Insel Rügen gedacht. Aber welchen Sinn sollte das machen? Also nächste Idee: Ein Vershen? Nö, Herr Paetow weiß ganz genau, was er schreibt. Immer! Neuer Gedanke: Hat Paetow aus dem “L” einfach ein “R” gemacht, um der automatisierten Zensur zu entgehen? Nö, so weit sind wir ja noch nicht, dass alles zensiert wird, schon gar nicht Herr Paetow auf seiner eigenen Seite. Und dann dämmerte es mir langsam: Rügenpresse = Jammer(lappen)presse, Meckerpresse, Beleidigtenpresse, Besserwisserpresse, Erziehungspresse, Selbstbeweihräucherungspresse, Bevormundungspresse, Wir-sind-die-Guten-Presse usw. usf. 🙂

  4. August Klose 11 Januar, 2020 at 13:09 Antworten

    Ich erlaube mir, lieber Herr Paetow, Sie auf einen Schreibfehler aufmerksam zu machen. Der gute Joe (Haben wir Nachsicht, keiner möchte heute Josef heißen?) verdient keine 14 Mio Dinger, er nimmt sie sich!

  5. Ostfale 12 Januar, 2020 at 16:09 Antworten

    “Der Mann ist und bleibt ein Rätsel. Da fällt uns am Ende auch nur ein Zitat aus einem Märchen der Grimm-Brüder ein: Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Josef Käser heiß..”
    Vielleicht hilft Konrad Adenauer (1876-1967), deutscher Politiker, 1949-1963 erster deutscher Bundeskanzler bei der allgemeinen Einordnung dieses Herrn Käsers ein wenig weiter:
    Ist es nicht schrecklich, dass der menschlichen Klugheit so enge Grenzen gesetzt sind und der menschlichen Dummheit überhaupt keine?

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