Vier Brüste und kein Halleluja?

Sage mir, was du liest, und ich sage dir…

+++ An ihren Themen sollt Ihr sie erkennen. Bei den linken G20 Krawallen überall live-Berichte, der Spiegel stand klatschend und aufmunternd am Demorand, linke Politiker beschimpften die Polizei, mal aus dem Politbüro, mal mitten aus dem schwarzen Block. Zu Paris hingegen fast gespenstische Ruhe. In den alternativen und „sozialen“ Medien kann man sich ein Bild machen. Wo sonst jede gegen Donald oder Wlad entblößte Femenbrust die Aufmacher ziert, finden sich die vier hübschen halbnackten „Mariannes“, die sich Macrons Polizeitruppen entgegenstellten, hauptsächlich bei Facebook wieder (trotz amerikanischer Nippelphobie). Auch das bei SPD, Grünen und Linken so beliebte Wort „Polizeigewalt“ erhält in Frankreich eine Bedeutung, von der deutsche Antifas noch keine Vorstellung haben.

Warum ist das so? Unsere Pressbengels und Tintenstrolche (Karl Kraus) sind mit ihrem Französisch weitgehend am Ende. Sie wissen nicht: Sind die Gelb-Westen links? Dann müsste jeder Polizeiknüppel verdammt werden. Aber was, wenn sie rechtsradikal sind? Dann solidarisiert man sich mit der falschen Seite – unverzeihlich für einen Gesinnungsjourno. Daher vielleicht das dröhnende Schweigen im Vergleich zum „Einzelfall“ von Straßburg, obwohl bei den Protesten bereits mehr Todesopfer zu verzeichnen sind als beim Anschlag.

Die BBC sucht nun mit Hilfe des ukrainischen Geheimdienstes verzweifelt wie ergebnislos Russentrolle auf den Straßen von Paris, dann hätte man wenigstens eine relevante Story. +++

+++ Auch der Chef der EU-Kommission erhält trotz ständig taumelnder Zunge und dauerhaft auffälligem Verhalten vergleichsweise wenig mediale Aufmerksamkeit. Vielleicht weil er doch zu sehr dem Bild der EU entspricht, das Michel Houellebecq kürzlich zeichnete:

„Kurz gesagt: Europa (die EU, Interpretation von uns) ist nur eine dumme Idee, das langsam zu einem schlechten Traum wurde, aus dem wir am Ende schmerzlich erwachen werden.“ Mit Schonklod ist jedenfalls kein Staat zu machen, außer vielleicht irgendwo in Afrika. +++

+++ Trotzdem wird natürlich geschrieben, bis die Tastaturen quietschen. Gehen wir auf eine kleine Reise durch den Letterwald.

++ Karl May war gar nicht Old Shatterhand, und Kara Bin Nemsi war er auch nicht, enthüllt zum wiederholten Mal SPON. Schlimm.

++ Springer-Chef Döpfner verkleidete sich beim Weihnachtsfest so gelungen als Olivia-Jones-Drag-Queen (Meedia), dass einer zweiten Karriere auf St. Pauli eigentlich nichts im Wege steht.

++ Irgendwo fanden wir die neue Berufsbezeichnung „Klimaanpassungsforscherin“, und wir sind sicher: Da kommt noch viel mehr.

++ Die Süddeutsche wird zur Weihnachtszeit sentimental: Mit einem Tannenbaum holt man sich Pestizide und bis zu 25.000 Tierchen ins Wohnzimmer...

+++ Lustiges Zahlenspiel von Forsa: Wenn die Spezialdemorkaten Neuwahlen riskieren würden, erhielten gegen Merkels Annegret Nahles 12%, Schulz 16%, Scholz 20% und Siggi 21% beim Direktvergleich. Soviel zu den Vier Waisen im Sozialistenland. Wie viel Kathie BarlEU wohl bei den Europawahlen schafft? +++

1 comment

  1. Andreas Schneider 18 Dezember, 2018 at 10:11 Antworten

    Bei Szenerien wie den französischen “Gelbwesten” (und des hier zurecht kritisierten medialen Schweigens) muß ich unwillkürlich an die Monate der “Wende” anno ’89, die Agonie der DDR, denken.

    Ja, ein hinkender Vergleich allemal! Aber stellen wir uns einmal die (wahrscheinlichen) Ergüsse der “Tintenstrolche” vor, hätte sich die DDR – wie auch immer – bis gestern über Wasser halten können, wir es noch mit der politischen Situation wie zu Ende der 80er Jahre zu tun hätten, dabei aber dem “Journalismus unserer Tage: wie würden Ereignisse wie die “Montagsdemo”, Rufe wie “Wir sind das Volk!” etc. wohl kommentiert bzw. begleitet?

    Einmal ganz abgesehen davon, daß eine Trabi- und Wartburglawine heute undenkbar wäre. Die Grünen würden schon dafür sorgen, daß der BGS den “Antifaschistischen Schutzwall” dicht hielte, damit nur ja kein “Feinstaub” oder sonstiges Ungemach die eigene Wohlfühlzone stören möge.

    Solche Überlegungen , so abstrus sie sein mögen, erzeugen auch stets ein untergründiges Gefühl von Dankbarkeit, was uns erspart geblieben ist: man stelle sich dazu das heute aufgebotene Politpersonal in den Rollen der damaligen Entscheiderebenen vor…

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