Des Widerspenstigen Zähmung

Der vielfältige Herr Döpfner • Olaf in Kiew

Nicht wenige Zeitgenossen fragen sich seit langer Zeit, was mit dem hiesigen Journalismus los ist. Eine Handvoll Aktivisten kann unsere Energieversorgung gefährden – kein kritisches Wort in der Hofpresse, ein Etikett, das sich ein großer Teil der Medien während der Regentschaft von Dr. Angela Merkel wohl verdient hat.

Dann wurden Impfmittel angepriesen, als müssten sich die Journos zur Entlastung der Verlage als Pharmavertreter ein Zubrot verdienen. Zu Risiken und Nebenwirkungen… ach, lassen Sie man den Beipackzettel, so musste der naive Medienkonsument denken, Risiken und Nebenwirkungen gibt’s gar nicht.

Erstaunlich war die Einheitsfront der Schreiber und Sender, aufkeimende Kritik wurde mit dem ätzenden Gift der Denunziation („Nazi“) vernichtet. Dann, plötzlich, scherte Bild aus der Einheitsfront aus, erlaubte sich sogar die Heilige Angela zu kritisieren, womöglich weil der Chefredakteur Reichelt den Leserschwund nicht auf seine Kappe nehmen wollte. Also musste er gehen, er war so plötzlich wie der Kurswechsel wegen angeblicher moralischer Inkontinenz unter „me-too“-Feuer geraten.

Springer-Chef Döpfner, womöglich mit Blick auf US-Geschäfte des Konzerns, ließ seinen Chefredakteur über die Klinge springen, nicht ohne in einer „privaten“ E-Mail an einen Posterboy des linken Zeitgeistes eine Kampagne zu vermuten. Denn der geschasste Reichelt, so lobte er ihn noch post mortem professionalis (Lateiner: Bitte korrigieren Sie gegebenenfalls), sei einer der „letzten aufrechten Journalisten“ gegen den neuen „DDR-Obrigkeitsstaat“. Und weil unter Linken das Private nun mal öffentlich ist, verbreitete der woke „Freund“ die Email und Döpfner widerrief. Inzwischen leitet ein SZ-Geschulter das Boulevardblatt, wir vermuten mal, die nächste Impfkampagne kann kommen.

Szenenwechsel. Die Sendung mit der Maus informiert schon die Kleinsten (4 bis 9 Jahre) über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse wie Penisentfernung und Drogen-Sex, was die Welt-Redaktion (auch Springer) inspirierte, „fünf Gastautoren, Biologen und Mediziner“ die Beiträge des Staatsfunks analysieren zu lassen. Fazit: Eine bedrohliche Agenda der Zwangsgebührensender. Was wiederum die Aktivisten in Regierung und „Gesellschaft“ auf die Palme brachte, was wiederum Döpfner veranlasste seine Redaktion zu tadeln. Sein in voller Ernsthaftigkeit vorgetragenes Argument: Die Welt-Autoren hätten „impliziert, dass es nur zwei Geschlechtsidentitäten gibt“. Wenn es nicht so ernst wäre! „Wissenschaftlich“, so führte Döpfner dann noch aus, „ist der Text (der die ARD-Kinderpropaganda geißelte) bestenfalls grob einseitig“.

Das muss „die Wissenschaft“ sein, von der seit Merkel-Zeiten immer geredet wird. Döpfner ist dieser etwa mit seinem Werk „Musikkritik in Deutschland nach 1945“ nahegekommen. Der mal ganz kurz widerspenstige Döpfner wurde nun offensichtlich endgültig gezähmt.

Das ganze Theaterstück kam nun durch die Kündigung mit Offenem Brief der Springer-Mitarbeiterin Judith Sevinc Basad auf die große Bühne.

 

Ach ja, Olaf war jetzt doch bei Selenskyi, ohne dass man ihn und seine Begleiter informiert hat, dass der Dresscode in Kiew „Military Casual“ lautet. So wirkt er ein wenig fehl am Platz im Vergleich zu Annalena Baerbock, die, wenn in der Ukraine, stilsicher mit Helm und Schussweste auftritt.

 

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