Der Sandmann kommt...

Schlaf weiter, Deutscher

... und wünscht gute Nacht. Nicht ohne den langsam unruhig werdenden Deutschen ordentlich Sand in die Augen zu streuen, das ist schließlich sein systemrelevanter Job. Heute erklärt uns ein Sandmann, warum wir Italien und Spanien Milliarden geben müssen, obwohl die viel reicher sind als wir. Seine Kollegen erzählen derweil Geschichten von „Männern“, die den Bus nehmen wollen, um auf Partys zu gehen.

Wie erklär ich’s meinem Kinde?
Selbst die Bild-Zeitung traute sich während des EU-Gipfels die manche Leser irritierende Frage zu stellen, warum der Deutsche für Italiener und Spanier, obwohl die viel reicher sind, wieder einmal Fantastilliarden zahlen müsse – versteckt die Antwort aber im pay-Bereich. Bei Focus nahm ein gewisser Sackmann den Ball auf, und erklärte das eigentlich Unerklärliche seinen Lesern so:

Zusammengerechnet besitzen die Italiener zum Beispiel ein Nettovermögen von geschätzten 10 Billionen Euro. Die Staatsschulden des Landes liegen bei gerade einmal 2,5 Billionen Euro. Es wäre also genug Geld da, um alle Schulden zu bedienen, etwa über höhere Steuern.

Aaaaber, so der Sackmann, so simpel ist das nicht!
Deutschlands Schulden liegen etwa bei 2,3 Billionen Euro, die Privatvermögen mit 15 Billionen Euro aber sogar noch deutlich höher.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Keine Ahnung. Aber wir lernen, dass es „zusammengerechnet“ mehr deutsche als italienische Staatsbürger gibt, Deutschland also zusammengerechnet... Geschenkt. Sackmanns eigentliche These dahinter: Weil sich bei uns die Linken von CDU bis SED nicht trauten, endlich eine Vermögenssteuer einzuführen, sei es „also utopisch, dies von Italien zu verlangen“.

Sackmanns Rechnungen gehen natürlich am kleinen Mann (kann auch eine Frau sein), der die demnächst erhöhten Steuern für Merkels EU-Größenwahn zahlen muss, völlig vorbei. Das rechnet Sackmann anders schön:

Rund 35.310 Euro besaß der mittlere Deutsche im vergangenen Jahr, 91.889 Euro der mittlere Italiener und der mittlere Spanier sogar 95.360 Euro. 51,4 Prozent der Deutschen leben im eigenen Haus, 72,4 Prozent der Italiener und sogar 77,1 Prozent der Spanier.

Huch! Die „mittleren“ Italiener und Spanier haben also dreimal so viel wie der „mittlere“ Deutsche? Jaja, hat auch Sackmann bemerkt, „doch Italiener besitzen das höhere Nettovermögen nicht zum Spaß“ – ganz anders als so der deutsche mittlere Spaßvogel. Schreibt er wirklich: „Nicht zum Spaß“, denn „die Italiener und Spanier legen über Generationen Geld zurück, weil der Staat im Notfall kaum einspringt“. (Wie der Staat bei uns im Notfall, den er selber verursacht hat, einspringt, lesen Sie weiter unten.)

Sackmanns Fazit: Selbst wenn man das höhere Rentenniveau in beiden Ländern (Huch! Und nochmal Huch!) gegenüber Deutschland einbezieht, geht es uns hierzulande besser. Uns? Und in welcher Hinsicht? Na, Hauptsache, Sackmann gehts besser.

Übrigens: Man solle nun bloß keine Steuererhöhungen bei den sensiblen Nachbarn im Süden fordern, weil „schon die Andeutung einer solchen Maßnahme zu einer Kapitalflucht aus beiden Ländern führen dürfte. Hausbesitzer würden panikartig ihre Immobilien verkaufen, der Markt einbrechen“. Ja, Freunde, da wär was los! Außerdem seien die Steuern in Italien und Spanien „nur leicht“ unter den Steuern in Deutschland. Steuerberater, sagen Sie auch mal was! (Hier finden Sie die ganze Sandmann-Geschichte vom Sackmann)

 

Von wegen der Staat springt im Notfall ein!
Sie erinnern sich bestimmt noch, wie vor ein paar Monaten der „Solo-Selbstständige“ erfunden wurde. Dem natürlich auch wegen des staatlich verordneten Lockdowns geholfen werden sollte (2 Mio. Wähler!). Wie sagte Peter Altmaier so schön, ohne dass er je befürchten müsse, selber nass zu werden: Er wolle „keinen im Regen stehen lassen“.

Soforthilfe wurde angekündigt und in den Bundesländern unterschiedlich schnell auch ausgezahlt. Nun holen sich die klammen Länder das Geld schon wieder zurück. Weil „der Bund die Regeln für die Corona-Pauschalen geändert hat: Die Zuschüsse sollen Betriebskosten wie Mieten für Büros decken, aber nicht die Umsatzausfälle durch entgangene Aufträge“. Somit fallen viele Freiberufler durchs Hilfsraster.

An dieser Stelle würde Maybrit Illner die im Publikum sitzende Fußpflegerin an den Tisch holen, „die keine Betriebskosten hat, aber fast drei Monate auf Grund des Lockdowns auf ihre Einnahmen verzichten musste. Da sie die Soforthilfe in Anspruch nahm, konnte sie kein Hartz IV rückwirkend für die Verlustphase beantragen. Nun muss sie die erhaltenen 9000 Euro wohl zurückzahlen.“

Und Altmaier würde sagen, er kümmere sich persönlich, „geben Sie mir mal ihre Telefonnummer“. In der Wirklichkeit will Andreas Pinkwart, FDP-Wirtschaftsminister im Homeland NRW nun mit dem Bund über das Abrechnungsverfahren nachverhandeln. Aber, herrje, die FDP! Vielleicht doch besser auf Rechtsschutzversicherung und Sammelklagen setzen.
(Dass Focus auch anders kann, lesen Sie hier)

 

Partyszenen überall
Leser, die planen wegen der Party- und Eventszene von Stuttgart, München oder Frankfurt aufs beschauliche Land oder in kleinere Städte umzusiedeln, sollten sich dort nicht auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen, sondern besser über ein eigenes Auto verfügen. In Oldenburg haben „Unbekannte“ (Presse) einen Busfahrer verletzt. „Im Streit um die Maskenpflicht.“

Selbst der Satz „Ich ziehe ins schöne Bayernland, da passiert so etwas nicht“ hat seine Gültigkeit längst verloren. So berichtet der Merkur aus dem bayerischen Sailauf (wo das liegt, weiß kein Mensch, der da nicht herkommt), ein „junger Mann“ habe einen 72-jährigen Busfahrer zusammengeschlagen, weil der ihn wegen fehlendem Mundschutz nicht mitnehmen wollte.

Sogar den etwas naiven Merkur erinnert der Fall an den „furchtbaren Angriff auf einen Busfahrer in Frankreich“. Na immerhin. Übrigens konnte „der Täter mit zwei Freunden“ unerkannt fliehen.

In Oldenburg und ‘Wie-hieß-das-Kaff-gleich?‘ keine Beschreibung „der jungen Männer und ihrer Freunde“. Die Journos denken wohl „erinnert an Frankreich“ reicht dem geübten DDR 2.0-Leser. Nostalgiker finden wie immer hier Aufklärung...

 

Und sonst so?

+++ Auf die Frage, ob er erwarte, dass Ghislaine Maxwell, die Freundin und wohl auch Komplizin von Jeffrey Epstein über „mächtige Männer“ auspacken werde, antwortete The Donald, er wünsche ihr „alles Gute“. Das wird sie brauchen. Falls Sie es vergessen haben sollten: Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton war wohl 26 Mal Gast auf der Pädo-Insel...

+++ Geldverschwendung – auch du, AfD? Die Partei klagt wegen der Vorgänge nach der Thüringen-Wahl in Karlsruhe gegen Kanzlerin Angela Merkel (tatsächlich CDU) und die Bundesregierung. Da lacht der gerade von der CDU ins Verfassungsgericht gewechselte Richter Stephan Harbarth und überlegt schon, wie er die Abweisung der Klage besonders gewitzt formulieren kann.

 

10 comments

  1. Irmgard Heller 22 Juli, 2020 at 20:35 Antworten

    Apropos Privatvermögen der Deutschen: der dickste Posten dürften wohl die Pensionsansprüche der Beamten, Berufspolitiker sowie ÖRR und wer sonst noch den Rüssel im Steuer- und Abgabentopf hat, sein. Und ich halte noch nicht alle die-jenigen, die dann am Ruder sein werden, wenn’s ans Abbezahlen geht, für so verblödet, dass sie nicht in der Lage sind, bei denen pfänden zu lassen, die es ihnen eingebrockt haben.
    Also ab 2028: Bei Pensionen alles pfänden lassen, was monatlich 2.500,_ € übersteigt.
    Ist technisch recht einfach, die Software SAP HR Payroll ist bei den Ämtern für Besoldung und Versorgung sowie Rundfunkanstalten weit verbreitet und damit ist das ohne großen Aufwand auf recht elegante Weise möglich.

  2. Pauline G 22 Juli, 2020 at 21:05 Antworten

    Ausgezeichnet! Wie dumm dieses Land u. seine Bürger sind (von Ausnahmen abgesehen) sieht man auch daran, dass irgendeine Zeitung (weltonline?) schreibt: Merkel sei es gelungen, 1 Milliarde mehr für D. herauszuschlagen – gleichzeitig lesen wir, dass sich der Beitrag Deutschlands zur EU-Kasse um 10 Milliarden erhöht!

  3. Krufi 22 Juli, 2020 at 21:08 Antworten

    Lieber Her Paetow, zu der Aussage „So berichtet der Merkur aus dem bayerischen Sailauf (wo das liegt, weiß kein Mensch, der da nicht herkommt)“ muss ich doch heftig protestieren. Ich komme nicht (!) aus Sailauf und weiß trotzdem, wo Sailauf liegt. Na gut, als aktiver Schachspieler aus dem Raum Bad Kissingen musste ich früher in die Gegend zum Schachspielen fahren: Sailauf, in der „Nachbarschaft“ Mömbris (wo das liegt, wissen nur wenige Menschen) und Aschaffenburg. Aschaffenburg machte Urban Priol überregional bekannt. Also richtig hätte es heißen müssen: Sailauf (wo das liegt, wissen nur wenige Menschen).

  4. Teller 22 Juli, 2020 at 21:19 Antworten

    Frau Heller. Wieso erst 2028? Rückwirkend ab 2015. Rückwirkende gesetze kennen wir doch im besten buntland, oder nicht? Und wieso 2500 euro? 750 wäre mein vorsçhlag

    • Irmgard Heller 22 Juli, 2020 at 21:44 Antworten

      Na gut, das kann man den Gegebenheiten anpassen (Parameterisieren oder auch Customizen). Gesetze mag man in Buntland rückwirkend ändern können, aber Pensionen Gehälter, Löhne oder Besoldungen, alles, was monatlich fließt, lässt sich nicht rückwirkend pfänden, was weg ist, ist weg. Die 750 sind doch etwas niedrig angesetzt, wir wollen ja keinesfalls die Polizisten, Feuerwehrmänner, Rettungssanitäter, Krankenschwestern, Lehrer, Soldaten und dergleichen nützliche öffentlich Bedienstete schröpfen

  5. chris 23 Juli, 2020 at 14:09 Antworten

    Dem grandiosen Focus Artikel entnehme ich soeben:

    “Pro Kopf und Jahr gibt der deutsche Staat 10.792 Euro an Sozialhilfen – also zum Beispiel Arbeitslosengeld – aus”

    Hä? Wie kann so ein Staat überhaupt funktionieren?

    • Nettozahler 23 Juli, 2020 at 20:22 Antworten

      Wir wissen, wie das geht: Wohltätigkeiten nach allen Seiten für gute Bilder, zerfallende Infrastruktur, kurzgehaltene Leistungsträger, also DDR 2.0.

  6. Ingolf Pärcher 24 Juli, 2020 at 00:18 Antworten

    Das Sackmännchen macht sich zunütze, daß Bruchrechnen erst ab der 6. Klasse drankommt und obendrein diskriminierend sein könnte Damit niemand ausgeschlossen wird, muß doch alles durch alle geteilt werden. Das mit Zahler und Nehmer ist wie mit Zähler und Nenner und jetzt schulz, Kinnersch!
    Versteht ihr erst, wenn wir ab der 9. in Sozialkunde den Marxismus- Leninismus durchgehen.

    O.K., sagenhaftes Fundstück, das mir meine Mimik doch eine halbe Minute entgleisen ließ. Danke! Mehr ist nicht drin, weil man sich solche Geisterbahnfahrten für zurückgebliebene Grundschüler als Zehnerbonheft mit jedem Erwerb am Bahnhofskiosk für wenig Geld erwerben kann, Nieten sind selten.

    Ja, dieser Staat IST ein Notfall und jetzt springt er halt für sich selber ein, weil ja das Geld schon weiterversprochen ist … muß doch jeder verstehen, oder?

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